Psalmenkoller

 Achzig Seiten für Psalmen, dreissig für Psalmlieder, 110 Psalmenzitate, – übernimmt sich das KG nicht einwenig mit seiner Freude an den Psalmen? Kritiker geben zu bedenken, Psalmen seien nun doch Lieder aus einer vorchristlichen Zeit. Doch auch sie wissen, dass Christen von Anfang an Psalmen sangen und beteten. Der heilige Benedik im 6.Jahrhundert liess seine Mönche alle 150 Psalmen wöchentlich beten; schon damals waren fünf wichtige Gesänge der Messfeier Psalmen.

Die Gründe für die christliche Wertschätzung der Psalmen führen fürs Erste zu Jesus selber. Die Jünger haben ihn vor allem im Meditieren und Rezitieren der Klage- und Vertrauenspsalmen (Psalm 22, 31, 42/43, 69) als Psalmenbeter erlebt. Auch die jungen christlichen Gemeinden wussten: Wer beten will wie Jesus, wird auf  das Vaterunser und auf die Psalmen verwiesen. So wundert es nicht, dass weder das Neue Testament noch das 2.Jahrhundert eine neue Sammlung christliche Gebete oder Lieder geschaffen haben. Denn in der Person Jesu sehen Christen den Anbruch des in den Psalmen universalen Reiches Gottes. Deshalb beten wir die Psalmen bis heute in der Gemeinschaft mit Jesus in der Hoffnung auf das Kommen des Gottesreiches.

Trotzdem darf man sich fragen: Sind diese alten Lieder aus der Zeit des 4.Jh.v.Chr. noch zeitgemäss? Kann das, was Jesus verheisst, nicht mit neueren, zeitgemässeren Worten und Bildern ausgesagt werden? Wer die Psalmen kennt, wird dem entgegenhalten, dass diese Texte das Leben in einer ungewöhnlichen Vitalität und Farbigkeit zur Sprache bringen: Freude, Leid, Enttäuschung, Zweifel, Glück, Segen, Fluch, Gottnähe und Gottferne …. Der Dichter Rainer Maria Rilke schreibt (1934) an seinen Verleger: «Ich habe die Nacht einsam hingebracht und schliesslich die Psalmen gelesen, eines der wenigen Bücher, in dem man sich restlos unterbringt, mag man noch so zerstreut und ungeordnet und angefochten sein.»

Als Gebete sind die Psalmen interessant, weil sie eine lange und komplexe Glaubensgeschichte hinter sich haben. Sie sind gewissermassen ein «Lehrpfad des Glaubens», wo das Suchen und der Zweifel, Leere und Einsamkeit, Verlassenheit und Gottesnähe ihren Ort haben. Freilich sind Psalmen auch Zeitdokumente alttestamentlicher Verfasser und Beter, die ihre Welt- und Gottessicht einbringen. Als christliche Beter/innen werden wir kaum die Verse eines Juden in der Verbannung beten können: «Wohl dem, der deine Kinder packt und sie am Felsen zerschmettert» (Psalm 137.9). Dieses Problem führte dazu, dass drei so genannte Fluchpsalmen (58, 83 und 109) aus dem Stundengebet entfernt wurden. Nicht alle fanden dies gut, weil sie meinen, auch Emotionen und Aggressionen müssten im Gebet eine Sprache finden.

Das Kirchengesangbuch war damit nicht konfrontiert. Bei seiner Auswahl der Lob-, Dank-, Bitt- und Klagepsalmen hielt man sich an die schönsten und liturgisch ergiebigsten Texte, für die der Dichter Rilke sein oben erwähntes Kompliment wiederholen würde.

Walter Wiesli

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Sprachlos

Es hat uns vor Gott die Sprache verschlagen. Nicht seiner Grösse und Heiligkeit wegen. Wir sind sprachlos, weil Gott soviel Leid zulässt, wir sind verstummt, weil beten scheinbar doch nicht hilft. Und ist nicht Gott selber stumm, beten wir nicht gegen eine Wand? Viele erfahren Gott als abwesend und fern. Trotzdem leiden sie unter der Sprachlosigkeit. Es würde so gut tun, aus ihr auszubrechen, – alles, was uns umtreibt, ängstigt und bewegt, aussprechen zu können. Wenn wir trotzdem wieder zu beten versuchen, spüren wir, dass die Worte, die wir einmal gelernt haben, heute vielfach nicht mehr stimmen. So ist es: Wir stecken in einer Gebetsnot und Gebetskrise. Wahrscheinlich muss ein neuer Sprachlehrgang «Beten» geschrieben werden.

Dieses Thema ist eines der schwierigsten in der Gesangbucharbeit. Das Auffinden guter Texte ist mühsamer als das Entdecken oder Schaffen neuer Melodien. Gefragt ist eine Sprache, die vom Leben redet,  ̶  keine frommen Floskeln, keine grossen Worte, die im Alltag doch nicht standhalten. Die edle und zugleich nüchterne Sprache der Liturgie tut gut, daneben möchten wir Gott aber auch ganz schlicht und einfach Du sagen können. Dazu fehlt uns sehr oft der Sprachschatz.

Das KG kann dazu einen Beitrag leisten. 160 Gebete und Denkanstösse reden vom Leben, vom ganz persönlichen Leben: Vom Alt- und Jungsein, von Glück und Scheitern, von Freude und Leid. Eltern, die ihr erstes Kind erwarteten, schrieben das «Gebet für das werdende Kind» (KG 713.2), Verliebte beginnen zu beten: «Du bist nicht der erste meiner Gedanken, Gott…» (KG 666.2) und in schweren Stunden der Ehe finden sich Worte wie: «Vater im Himmel, ich hätte nie gedacht, dass wir einander so wehtun können» (KG 664.2). Den Überschriften kann man bereits das unterschiedliche Klima der Gebete entnehmen: «Unser Kind kann nicht mehr glauben, Überfordert, Wenn alles versandet, Bitter ist das Brot des Alters, Sehnsucht, Alles freut sich an der Sonne, Maria – Schwester im Glauben». Kinder sprechen von ihrer Angst, wenn Eltern streiten (KG 715.5), reden vor Gott vom eigenen Streit (KG 704.4), denken über ihre schlechten Launen nach und sind dankbar, dass man Gott ganz einfach alles so sagen kann (KG 704.2). Das Hineinlauschen in sich selber, in die Welt und in andere Menschen wird zum Gebet oder holt einfach zurück in die Stille und Besinnlichkeit. Das KG will zwischen beidem gar nicht unterscheiden, denn beides geschieht in Gottes Nähe. Man merkt auf, wenn man liest: «Manche Menschen wissen nicht, wie wichtig es ist, dass sie einfach da sind…» und man geht dann wohl in sich, wenn der Text schliesst: «Sie wüssten es, würden wir es ihnen sagen» (KG 714.4). Neugierig hört man die Frage: «Wirst du für mich, wird ich für dich, der Engel sein?» und schmunzelnd gewahrt man die Antwort: «Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel» (KG 714.5.6); im KG ist das Reich der Engel nicht nur über den Wolken zu finden. Gebetsklassiker führen auch zurück in den Reichtum der Tradition: Der hl.Thomas Morus, Franz von Assisi, Edith Stein, Dietrich Bonhoeffer. Zwei grundsätzliche Überlegungen zum Beten (Heute beten KG 695, Beten in der Familie KG 712) nehmen uns ernst in unsern Vorbehalten und Schwierigkeiten im Beten, zeigen aber auch einfache und durchaus plausible Zugänge. Ein siebenseitiges Register (S.921–927) macht Lust zum Nachschlagen und spiegelt häufige Lebenssituationen, die eigentlich alle kennen – und Anlass zum Beten werden können.

Wer seine persönliche Gebetssprache findet, wird auch einen Zugang zu den Psalmen entdecken. Aus dem Gebet des Alten Bundes und der Kirche hören wir dann ebenfalls die intimen persönlichen Töne heraus: «Du umschliesst mich von allen Seiten und legst deine Hand auf mich» (Ps 139). Solches Beten fügt uns ein in die weltumspannende Gemeinschaft  der Betenden, eine Gemeinschaft, die uns stärkt, und wenn wir zeitweise verstummen, für uns eintritt.

 Walter Wiesli

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Texte

Die Sprache ist eine der am häufigsten zu beobachtenden Begleiterscheinungen von Religion.  Die hat im Gegensatz zur Alltagssprache ein starkes Beharrungsvermögen, was nicht selten zur Entfremdung zwischen Gottesdienst und Alltagswelt führte. Milieustudien zeigen dies neuerdings. Die Kirchensprache der Riten und Gebete erweist sich überdies für viele als schwierig, weil die individuellen Glaubenszugänge immer vielfältiger werden. Dies zeigt sich sehr ausgeprägt im Kirchenlied, der dem kulturellen Wandel besonders unterworfenen Intensivform des Sagens, wo das Ringen zwischen Traditionstreue und Zeitgemässheit schon immer ein Problem war. Im Übrigen informiert die Sprache nicht nur, sie schafft auch neue Wirklichkeiten. Sie verrät das jeweilige Selbstverständnis einer Institution und ihr Verhältnis zur Macht.        

Engel (M.Chagall)
Engel (M.Chagall)
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Inklusive Sprache

Die inklusive Sprache und der Streit um den «Herrn»

Jede Gesangbuchkommission muss sich heute mit dem Thema «inklusiven Sprache» (Sprechweise, die niemanden ausschliesst) beschäftigen. So nahm sich eine Gruppe von Frauen vor, barocke Lieder unter dieser Rücksicht zu studieren und gegebenenfalls sprachlich zu verbessern. Bald mussten sie allerdings einsehen, dass dieses Anliegen nicht realisierbar ist. Denn in der barocken Frömmigkeit bestimmt das biblisch-patriarchale Denken derart das Lebensgefühl, dass eine Veränderung von ein paar Wörtern meist wenig bringt oder sogar Widersprüche schafft. Sie wurde notgedrungen auch mit der Frage konfrontiert, ob es statthaft sei, in Dichtungen von Paul Gerhardt (+1676) oder Johann Scheffler (+1677) und andern Eingriffe vorzunehmen. Damit war bald einmal allen Verantwortlichen klar, das bezüglich «inklusiver Sprache » eine Sprachbereinigung für diese Epoche aus Respekt vor der Vergangenheit notgedrungen ein Kompromiss bleiben musste. Am Beispiel des Titels «Herr»  wurde übrigens deutlich, dass es zwischen Reformierten und Katholiken eine zumindest teilweise unterschiedliche Sprachwahrnehmung gibt. Als Hoheitstitel für Jesus Christus (Kyrios) ist er uns aus der Liturgie vertraut und in Analogie dazu als Anrede für Gott nicht fremd. Bei  Reformierten erregte diese Bezeichnung für Gott häufig Widerspruch. Begründete Änderungen in diesem Punkt wurden teilweise auch von uns übernommen. Autorinnen und Autoren wurden gebeten, eine Sprache zu wählen, die sich für eine Vielfalt von Gottesbildern offen hält und niemanden ausschliesst, was im Blick auf den Titel «Herr» nicht von allen Rechteinhabern gestattet wurde. Vor allem aus Gründen der Singbarkeit von Psalmen entschloss man sich im KG für eine Übernahme der Einheitsübersetzung, obwohl gerade diese bezüglich der inklusiven Sprache Wünsche offen lässt. Man darf gespannt sein, wie dieses Problem in der revidierten Einheitsübersetzung gelöst wird.

Die Sprache der sakramentlichen Riten durfte im KG im Blick auf eine inklusive und verständliche Sprache nicht geändert werden, was zwangsläufig immer wieder zu sprachlichen Ausgrenzungen führt. So kommen beispielsweise bis heute in vielen liturgischen Texten die Frauen als Gruppe nicht vor. Da ist zwar häufig von «Brüdern» und «Vätern», aber selten von «Schwestern» und «Müttern» die Rede. Auch das trinitarische Gottesbild betont die männlichen Attribute. Während der Titel «Jesus Christus, unser Bruder und Herr» allen genehm war, galt dies nicht für den Vorschlag «Gott, uns (wie) Vater und  Mutter».  Öfters weicht das KG auf geschlechtsneutrale Formen aus (Seelsorgende, statt Seelsorgerund Seelsorgerinnen), geschlechtsneutral sind im Plural (Nominativ) auch Bezeichnungen von Personen wie Behinderte, Hilfesuchende usw. Das Splitting (ein/e Kranke/r) wurde als unschön vermieden, ebenso die Gross-I-Schreibung (PastoralassistentIn).

                                                                                                                             Walter Wiesli

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Sprachnot

Die römische Instruktion «De interpretatione textuum liturgicorum» vom 25.01.1969 fordert sowohl sprachlich anspruchsvolle Qualität einerseits und die Orientierung an der Alltagssprache andererseits. Wie schwierig dieser Anspruch zu realisieren ist, zeigt die Sprachnot heutiger Beter. Viele wichtige theologische Begriffe – man denke an Gnade oder Erlösung – drohen von Lehrformeln zu Leerformeln zu werden. Diese finden dann zwar in allen möglichen Kontexten Verwendung, können aber letzt­lich die Heilsgeschichte, um deren Erinnerung und Feier es im Gottesdienst geht, für heutige Menschen kaum mehr verstehbar erschliessen. Wenn dies nicht mehr möglich ist, stellt sich grundsätzlich die Frage nach dem Sinn des Gottesdienstes. Sicher darf man sich nicht damit abfinden, dass sich zum Gottesdienst nur der Kreis der Insider versammelt, der sich damit abgefunden hat, dass es eben immer weniger werden, die eine «klassisch gestaltete Liturgie» mitzufeiern vermögen.

Es fehlt nicht an Versuchen, der dro­henden Sprachlosigkeit zu begegnen. So z.B. mit Kommentaren und Kurzkatechesen, die das zeichen- und symbolhafte Handeln zu kommentieren versuchen, um zugleich ge­gen die Erstarrung von Symbolen wie gegen die Erosion des Glaubenswissens anzugehen. Dabei wird nicht selten zerredet, was ei­gentlich gefeiert werden sollte. Wie aber kann man die liturgische Tradition bewahren, ohne sie einfach zu wiederholen und trotzdem den Inhalten ge­recht werden, ohne die Gottesdienstbesucher zu überfordern?

Man wird sich vor Extremen hüten müssen, die zu keinen Lösungen führen. So beispielsweise das Entgegenkommen, schwierige Schrifttexte mit profanen «heiligen Texten» (Kleine Prinz, Häuptling Seattle) zu ersetzen oder zum flächendeckenden Tesaurus musicae sacrae lateinischer Hochämter zurückzukehren.

Wie von Gott Reden?

Die Herausforderung liturgischer Sprache ist von grundsätzlicher Art: Wie überhaupt von und zu Gott reden? Einerseits muss sie den Glauben angemessen zum Ausdruck bringen, andererseits soll sie Gott nicht auf das Sprachvermögen des Menschen fest­legen.

Des weiteren ist zu berücksichti­gen, dass die Texte den Mitfeiernden Möglichkeiten einräu­men, die je eigenen Erfahrungen beim Verstehen mit einzu­bringen, was zusehends schwieriger wird, weil die individuellen Glaubenszugänge immer viel­fältiger werden. Noch völlig unzureichend gelöst ist das Problem der inklusiven Sprache, die den spezifischen Bedürfnisse von Frauen in der Liturgie Rechnung trägt. Gesangbuchschaffende kennen das Problem: Was dem einen schon entschieden zu weit geht, ist für andere ein schlechter Kompromiss, der ent­täuscht.

Es ist noch relativ leicht, anstössige Texte, wie beispielsweise einem überholten Triumphalismus oder einer problematischen Opfertheologie zu eliminieren. Unbestritten war bei der Schaffung des KG auch, dass wir uns nicht von einer rund tausendjährigen Glaubens- und Singtradition lossagen können. Dennoch, wenn man nicht mit ganzem Herzen beten und singen kann, sondern stets mit hermeneuti-schen Kniffen sperrigen Aussagen ihren Sinn ab­ringen muss, gerät man leicht in ein distanziertes Verhältnis zum Feiergeschehen, das der Sache schadet und in ironischer Distanzierung enden kann.

Im Blick auf die Sprache werden deshalb die Mitfeiernden eines Gottesdienstes einge­stehen müssen, dass ein gewisses Mass an Toleranz und Nachsicht zum gemeinsamen Feiern unabdingbar sind, auch wenn Unzulänglichkeiten in der litur­gische Sprache als besondern störend empfunden werden.

Sinnhaftigkeit und Mysterium

Liturgie ist ein Geschehen vor und mit Gott. Dabei kommt die menschliche Sprache zwangläufig an ihre Grenzen. Wir kommen in einen Bereich, wo Sprache und Begrifflichkeit versagen. Dies darf allerdings  nicht dazu führen, sich der Verantwortung für die gebotene Verständlichkeit des Feiergeschehens zu entzie­hen und das Nichtrationale als solches zum Göttlichen hochzustilisieren. Die Einsicht in die Sinnhaftigkeit des Geschehens bleibt ein Kriterium für rechtes Feiern. Denn so sehr das Vermissen Gottes unserer Zeit ein Thema ist, geht im Gottesdienst trotzdem um die Zuwendung Gottes, die bezeugt  und gefeiert werden will und deshalb die Feier prägen muss.

Die Tatsache, dass es immer noch Millionen sind, die Sonntag für Sonntag Gottesdienst feiern wollen, müsste ein Ansporn sein, sich intensiv auch und speziell der sprachlichen  Gestaltung von Gottesdiensten zu widmen.

                                                                                                                                                                                                       Walter Wiesli   

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Liturgiesprache

Umgangssprache als Grundsatz

Für die Gottesdienstbesucher erwies sich vordergründig der Gebrauch der Volkssprache als die auffälligste Frucht der Liturgiereform. Die meisten freuen sich darüber, einige nehmen daran Anstoss. Die Liturgiegeschichte zeigt, dass die Kirche in ihren Anfängen und in ihren ersten Jahrhunderten dem Grundsatz des volkssprachlichen Gottesdienstes folgte. In Rom sprach man bis ins dritte Jahrhundert hinein das so genannten Koiné-Griechisch als dominierende Umgangssprache. Sie war damit ganz selbstverständlich die Liturgiesprache, wie uns die Kirchenordnung des Hippolyt von Rom (+235) bezeugt. Mit der Regierungszeit des Kaisers Decius (249-251) setzt eine Restauration des Lateins als Volkssprache ein und bringt damit das Problem der Verschiedenheit von Volks- und Liturgiesprache. Die römische Kirche entscheidet sich für den Grundsatz, dass die Liturgie in der Sprache des Volkes zu feiern sei, was dann unter Papst Damasus um 380 nachweisbar ist. Noch im Jahre 880 erklärt Papst Johannes VIII im Zusammenhang mit der Slawenmission des Cyrill und Methodius, es verstosse nicht gegen den rechten Glauben, die Messe in der Volkssprache zu singen oder die biblischen Lesungen in guter Übersetzung zu verkünden. Denn der Schöpfer der drei Hauptsprachen (gemeint sind Hebräisch, Griechisch und Latein) habe auch alle übrigen zu seinem Lob und seiner Ehre hervorgebracht.

Latein zum Schutz des Mysteriums

In der Folgezeit gewinnt das Latein in der Liturgie eine beherrschende Stellung, was mit teilweise recht fragwürdigen Argumenten begründet wurde. So widerruft Papst Gregor VII. im Jahre 1080 in einem Brief an den böhmischen König die Erlaubnis seines Vorgängers Johannes VIII mit der überraschenden Begründung, es habe Gott nicht ohne Grund gefallen, dass die Heilige Schrift in gewissen Gegenden verhüllt sei, damit sie nicht bei allseitiger Zugänglichkeit gewöhnlich werde und damit der Verachtung anheim falle oder von Menschen falsch verstanden in den Irrtum führe. Das Konzil von Trient (1545-63) zeigt sich moderater und verurteilt lediglich die Behauptung, die Messe dürfe nur in der Volkssprache gefeiert werden. Es verzichtet bewusst darauf, das Latein zur einzig möglichen Kultsprache zu erklären, und lässt damit die Tür zu weiteren Entwicklungen offen. In der Tat aber wurde in der Folgezeit das Latein als einzige Liturgiesprache immer wieder gefordert und hat 400 Jahre lang andere Tendenzen verunmöglicht.

Muttersprache als zwangsläufige Folge

Eine grundlegende Änderung wird durch das II. Vatikanische Konzil eingeleitet. Es stellt zwar in Artikel 36 der Liturgiekonstitution fest, dass der Gebrauch der lateinischen Sprache in den lateinischen Riten erhalten bleiben soll, gestattet aber zugleich aus pastoralen Gründen die Muttersprache «vor allem in den Lesungen und Hinweisen und in einigen Orationen und Gesängen». Diese Möglichkeit wird in den folgenden Jahren auf Antrag mehrerer Bischofskonferenzen und des für die Durchführung der Reform eingesetzten Römischen Liturgierates mit Zustimmung des Papstes um einiges erweitert, so dass heute praktisch die gesamte Liturgie in der Volkssprache gefeiert wird. Obwohl dies über den Wortlaut der Konzilsbeschlüsse hinausgeht, ist diese Entwicklung angesichts der Forderungen des Konzils nach bewusster und tätiger Teilnahme des Volkes und nach Anpassung der Riten an die Fassungskraft der Gläubigen, dennoch folgerichtig. Denn anders könnten die des Lateins Unkundigen die Liturgie nicht bewusst und verstehend mitfeiern. Vor dieser Notwendigkeit verlieren alle andern traditionellen Argumente für das Latein ihr Gewicht.

Walter Wiesli

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Sprache

«Die verwendete Sprache soll die des täglichen Umgangs sein, also angepasst an die Gesamtheit der Gläubigen, welche die gleiche Sprache ge­brauchen und sich regelmässig zum Gottesdienst versammeln, eingeschlossen die Kinder und die einfachen Leute. Man darf nicht so übersetzen, dass die Gläubigen eine besondere literarische Bildung besitzen müssten, um den Zugang zum Ganzen der liturgischen Texte zu finden.» (Papst Paul VI. 10.11.1965)

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Psalmen

«Psalmen beten in der Banalität und im Trott des Alltags, in Einsamkeit, Lebensangst oder Selbstbezogenheit, ̶ nicht nur, weil sie Gefühlen und Sehnsüchten eine Sprache geben, sondern weil sich uns in ihnen der menschenfreundliche Gott entgegenstreckt.» (Erich Zenger)

Die Psalmen gehören zur großartigsten Dichtung der Weltliteratur. Ihre Ausdruckskraft und Poesie ist von Jahrhundert zu Jahrhundert aufs neue entdeckt worden. Das Buch mit seinen 150 Liedern ist in einem langen Prozess entstanden. Es ist das Gebets- und Meditationsbuch Israels, in dem Menschen ihre Existenz vor Gott zu deuten versuchen, sich aber auch in Lob und Dank für Gottes Führung und Schöpfung verströmen. Dieses Lebensbuch der Frommen und Armen Israels strebt keine thematische Ordnung an. Die unterschiedlichsten Lebenssituationen kommen darin zu Wort: Lob, Dank, Klage, Protest, Bitte, Zeugnis usw. Ein Teil der Psalmen dürfte aus dem Gottesdienst hervor gewachsen sein, ein weitaus größerer Teil entstand aus der persönlichen Situation oder Erfahrung der Beter.

Sprachform der Psalmen

Eine oft wiederkehrende Eigenart der Psalmen bildet der so genannte Parallelismus der Verszeilen: In einem Gedanken- oder Bildreim sagen zwei Vershälften das Gleiche aus; der gleiche Sachverhalt wird aus zwei veränderten Perspektiven gesehen. Die Vieldeutigkeit und Offenheit der Psalmen machen es dem heutigen Menschen leicht, sich in diesen Gebeten wieder zu finden. Betend, reflektierend und meditierend bringt er vor Gott sein Leben zur Sprache: Gefühle des Glücks, Schmerz, Frustration und Enttäuschung, Hoffnung und Angst, Segen und Fluch, Geborgenheit und Entfremdung. Das Psalmengebet ermutigt, die Not ungefiltert vor Gott auszusprechen. Es redet von Feinden und Feindschaft und verdrängt auch diese Wirklichkeiten nicht. Beter und Beterinnen benennen das Böse und fordern die Durchsetzung göttlicher Maßstäbe schon jetzt in dieser Weltzeit. So helfen die Psalmen allen, die sie beten, dem Leiden nicht auszuweichen und seine Bekämpfung nicht aufzuschieben. Sie halten den Glauben an einen gerechten Gott wach, der sein Reich der Gerechtigkeit und des Friedens durchsetzen wird.

Psalmen im Neuen Testament

Im Neuen Testament sind die meisten alttestamentlichen Zitate dem Buch der Psalmen entnommen. In der christlichen Liturgie spielen die Psalmen von Anfang an eine hervorragende Rolle. Wenn Christen Psalmen beten, bekennen sie sich zu ihrer jüdischen Ursprungsgeschichte und beten, wie der Jude Jesus von Nazaret gebetet hat.

Psalmen in der Liturgie

Im Gottesdienst der Kirche begegnen uns die Psalmen vor allem in zwei Funktionen: als Antwortpsalm nach der Lesung und als Gemeindegesang im Stundengebet. Im Antwortpsalm äußert die Gottesdienstgemeinde ihre Betroffenheit und Dankbarkeit über das in der Lesung zugesprochene Heil. Der Kantor oder die Kantorin trägt Psalmverse vor, welche die Versammlung mit einem Leitvers umrahmt. Die etwas anspruchsvollere Kantorenpsalmodie findet sich im Vorsängerbuch. Im Stundengebet singt die Gemeinde selber den Psalm im Wechsel zweier Gruppen. Hier bildet der Leitvers, der in der Regel einen Kerngedanken aufgreift, nur den Rahmen am Beginn und am Schluss des Psalms. Die ständige Wiederholung einer einfachen melodischen Formel schafft einen Zustand betrachtenden Betens. Obwohl nicht immer jedes Wort des Psalms mitvollzogen wird, entsteht eine Atmosphäre hingebenden Preisens. Dazu hilft auch die markante Pause zwischen den Vershälften, in der das Gesungene nachschwingt und der Atem sich ruhig erneuert. Der Wechsel zwischen den Chorhälften hingegen schließt unmittelbar an.

Psalmen im KG

Die Auswahl der 57 Psalmen erfolgte vor allem im Hinblick auf ihre Funktion im Gottesdienst. Die Psallierweise wird jeweils über dem Psalm angegeben. Wenn andre Leitverse gewählt werden, muss deren Tonart, die in römischen Ziffern vermerkt wird, mit jener des Psalms übereinstimmen. Die Gliederung des Psalms in Sinnstrophen ist durch einen längeren Gedankenstrich angedeutet. 12 Sprechpsalmen, die sich besonders zum gemeinsamen Beten eignen, sollen ebenfalls von einem gesungenen Leitvers umrahmt werden.

                                                                                                                                                                                                          Walter Wiesli

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Gebetskultur heute

Gebetskultur in der christlichen Gemeinde

In einem seiner letzten Interviews befragt, wie er sich ange­sichts der allgemeinen Glaubensnot die Kirche der Zukunft vorstelle, gab Karl Rahner zur Antwort: «Ich möchte und wünsche und erwarte eine Kirche von einer ausserordent­lich starken Spiritualität, einer stärkeren Frömmigkeit, eine Kirche des Gebetes, eine Kirche, die Gott die Ehre gibt und die nicht meint, Gott ist für uns da, sondern davon über­zeugt ist, dass wir Gott anzubeten haben, dass wir ihn um seiner selbst willen und nicht nur um unseretwillen zu lieben haben». Lapidare Forderungen: Ausserordentliche Spiritualität – stärkere Frömmigkeit – eine Kirche des Gebetes. Entspricht die Kirche diesen Anforderungen?

Versuch einer Diagnose

Die Krise der Kirche sei im Wesentlichen eine geistliche, hat Rahner bereits früher festgestellt.  Der Glaube selbst ist bei vielen Gläubigen aus dem Tritt geraten und darum notwendigerweise auch das Gebet. Denn wer betet, drückt seinen Glauben aus und bringt das Leben zur Sprache vor Gott. Beten ist so etwas wie der Atem des Glaubens: «Du bist mein Atem, wenn ich zu dir bete» singen wir in KG 544.

  • Beten  ̶  ein Wesensvollzug der Kirche

Die Kirche war von Anfang an nur als betende Kirche richtig zu verstehen. Denn im Gebet vollzieht sie ihr innerstes Wesen. An ihrem Gebet ist ablesbar, wem und was sie glaubt. In  ihrem Beten bringt sie zum Ausdruck, dass sie sich radikal verdankt, d.h. ganz und gar aus Gottes freier Gnade in Christus und nicht aus eigener Kraft lebt. Kirche, die nicht aufhört, Gott zu loben und ihm zu danken, bringt eben dieses ihr «euchari­stisches» Wesen laut und öffentlich vor Gott und der Welt zur Sprache.

Hier zeigt sich die ganze Dringlichkeit des Problems: Sind un­sere Gemeinden Lern- und Übungsorte solch kirchlichen Be­tens? Kann man in ihnen das Beten mit der Kirche von Grund auf lernen? Was geschieht, damit diese elementarste Lebensäusserung des Glaubens  ̶  anbeten, loben, danken und rühmen   ̶  ins Spiel gebracht wird? Wo lernt man, dass sich aus solchem Rühmen Gottes das rechte Bitten und Fürbitten wie von selbst ergibt? Wie steht es um das Klagen der Christen vor Gott, das dem bi­blischen Beter so wesentlich ist? Ob Lob oder Klage, beides hat für den heutigen Menschen auch eine therapeutische Funktion: sie bringen ihn weg von sich selbst, machen ihn frei für das Gemeinschaft der Mitlobenden und Mitklagen­den und öffnen ihn mit diesen zusammen für den, den wir letztlich meinen, für Gott. Ist die Gemeinde so etwas wie eine Elementarschule für diese zentralen Lebensvorgänge des Glaubens? Ist sie so etwas wie ein geistliches Übungsfeld, das dem Glauben Möglichkeiten bietet, sich mit allem, was ihn bewegt, vor Gott zur Sprache zu bringen?

  • Utopische Reform?

Das Vaticanum II hat uns auf ein solches Übungsfeld eingewiesen: In die Tagzeitenliturgie. Heute muss man allerdings feststellen, dass wohl kein Anliegen des Vaticanum II so ohne Echo geblieben ist wie gerade dieses Bemühen um die Tagzeitenliturgie. Was sind die Gründe? Vermutlich wirken sich u.a. historische Hypotheken aus. Denn zum einen sollen die Priester nun mit ihrer Gemeinde teilen, was über Jahrhunderte ihre ureigene Aufgabe war, umgekehrt sollen die Gemeinden  sich für etwas interessieren, was ihnen in der römischen Kirche seit Jahrhunderten fremd ist. Entscheidender fällt wohl ins Gewicht, dass das priesterliche Stundengebet trotz der Reform selbst in eine Krise geraten ist. Manche Priester klagen darüber, dass sie das Stundenbuch oft nur mit Mühe, kaum mit Freude und aus Bedürfnis zur Hand zu nehmen. Vereinsamt im Übermass von Terminen finden sie für das Gebet keinen festen Rhythmus, leiden darunter und vermögen es doch nicht zu än­dern. Viele erfahren diese Gebetsform bei der heutigen Beanspruchung nicht mehr als eine Lebenshilfe. Sie spüren den innern Widerspruch und leiden daran, dass ein Gebet, das für eine Gemeinschaft konzipiert wurde, zum verpflichtenden Einzelgebet wurde. So wundert nicht, dass diese Art des Betens im Pfarreileben kaum mehr thematisiert wird.

  • Abschied von der Breviermentalität

Meiner Meinung nach ist nochmals eine weitere Reform des Stundengebets für Seelsorger und Seelsorgerinnen fällig, in der wieder das alte, gemeindliche Tagzeitengebet in Gross- bis Kleinstgruppen im Mittelpunkt steht. (Und dies in Klammer: Bedeutsame Männer wie Jungmann, Rahner und Kardinal Lercaro haben längst vor dem Konzil für ein Gebet der Seelsorgepriester plädiert, das der Situation der Seelsorge angemessen und entsprechend organisiert sein müsste). Bekanntlich kannte die Kirche die tägliche Werktagsmesse bis ins 7.Jahrhundert nicht. Das Tagespascha feierten die Christen über Jahrhunderte im Morgen- und Abendlob. Der Weg dahin zurück, wo sich das gemeinsame Beten der Gemeinde und den betenden «Spezialisten» trennt, umfasst (im Westen) mehr als tausend Jahre.  

  • Neues Verständnis

Vor der Erkundung praktischer Möglichkeiten soll noch von Begriffen die Rede sein. Grund­sätzlich ist der Begriff «Tagzeitenliturgie» dem üblichen und ge­wohnten «Stundengebet» vorzuziehen. Denn das kathedrale Tagzeitengebet der Ostkirche unterscheidet sich darin vom monastischen Stundengebet  (Horen – horae), dass es nicht die sieben Gebetszeiten kannte, sondern nur das Abend und Morgenlob. Deshalb treffen die Begriffe Stundengebet oder Stundenliturgie die gemeinte Sache nicht mehr. Dazu kommt, dass es sich um das öffentliche Gebet der Kirche handelt, also um «Liturgie», nicht um eine Andachtsform. Darum wäre besser: Tagzeitenliturgie, oder sonst eben Tagzeitengebet. Damit wird auch besser das jeder Liturgie zu Grunde liegende Wort-Antwortgeschehen angedeutet.

  • Zielrichtung einer erneuerten Tagzeitenliturgie

Ist das Bemühen um eine erneuerten Tagzeitenliturgie nicht eine Illusion, die im Vornherein zum Scheitern verurteilt ist? Es gibt deutliche Anzeichen, die zu einer gegenteiligen Hoffnung Anlass geben: z.B. dass immer mehr Zeitgenossen sich wehren gegen die Verplanung und Verzweckung der Zeit durch eine gezielte Suche nach Halte und Orientierungspunkten im Alltagsgetriebe. Menschen suchen in einer allgemeinen Desorientierung und weitgehenden Fremdbestimmung nach sie haltenden Strukturen und Rhythmen. Obwohl man die Nacht zum Tag machen kann, spüren viele vermehrt, dass Gezeiten und Lebenszeiten verschiedene Qualitäten haben. Nichts und niemand kann ungeschehen machen, dass unser Leben in diesem Rahmen abläuft. Es wäre auch zu fragen, ob jene, die «sich den demonstrativen Luxus des Lobes als Widerstand gegen die Totalverzweckung des Menschen leisten» (Kurt Koch) nicht Menschen gezielt auf diesen «therapeutischen Weg» schicken sollten.

KG-Tagzeitenliturgie konkret

Im KG hat die Tagzeitenliturgie einen hohen Stellenwert, – anders gesagt, wenn sie keine Chance hat, wurde sinnlos Platz vergeudet. Nach einer guten Einführung (KG 258/59) werden acht Vesperfeiern angeboten: Sonntag, Advent, Weihnachten, Fastenzeit, Ostern, Pfingsten, Maria, Heilige. Ergänzend zur Sonntagslaudes verlangten die Bischöfe zurecht vier Laudes-Ablaufskizzen für geprägte Zeiten. Alle diese Modelle halten sich an die monastische Form. Das östliche sog. «Kathedralofficium» war einfacher. Doch es ist durchaus sinnvoll und erlaubt, dass man die KG-Modelle vereinfacht,  ̶  vor allem als Hilfe zur Einführung dieser Gottesdienstform: Beispielsweise durch Reduktion der Psalmen, Ersatz durch Psalmlieder, gelegentliches Sprechen von Psalmen oder Psalmparaphrasen usw. Es fragt auch, ob man nicht gelegentlich oder sogar regelmässig (wie z.B. in Buchs SG oder in der Kathedrale St.Gallen) Tagzeitenliturgien anbieten sollte als rein chorische Feiern. Die KG-Tagzeitenliturgie ist im Wesen ein hymnischer Wortgottesdienst, den man sehr wohl an eucharistiefreien Sonntagen als Morgen- oder Abendgottesdienst anbieten könnte. Im Vergleich zu andern Wortgottesdiensten, die oft sehr wortlastig sind, liegt dieser Gottesdienstform wesentlich eine hymnische, musikbetonte Gestik zu Grunde, die es übrigens auch ermöglicht, die Gemeinde schrittweise und in sehr unterschiedlicher Form aktiv zu beteiligen.

Als offene Form kennt bereits die Tradition der Tagzeitenliturgie emotional ansprechende Elemente wie die Lichtdanksagung (Luzernar), das Taufgedächtnis oder das Fürbittgebet mit Weihrauchspende. Nichts steht im Weg, in Zeichen- und Sprachgestalt auf das Lebens- und Glaubensgefühl heutiger Menschen einzugehen. Was man in der Praxis braucht, ist eine Ansinggruppe oder ein kleiner Chor, der sich nach Möglichkeit wiederholt zur Verfügung stellt und damit eine gewisse Regelmässigkeit sicherstellt. Musikalisch ambitionierte Gruppen finden auf diesem Gebiet (Psalmen, Cantica, Hymnen, Responsorien) eine Fülle von Literatur, deren Erarbeitung sich lohnt und erfahrungsgemäss mit einer dankbaren Hörerschaft rechnen darf. 

Die Kleine Tagzeitenliturgie

Während die erwähnte entfaltete Form vorzugsweise eine Sonntagsliturgie sein wird (muss allerdings nicht so sein), sind im Blick auf die sicher noch mehr abnehmenden Werktagsmessen Gebetsformen nach dem Muster der frühen Kathedralliturgien gefragt. Es geht ja nicht in erster Linie darum, dass «am Werktag auch noch etwas passiert», sondern dass christliches Gemeindeleben ohne Gebet – auch werktags – auf Dauer nicht auskommt. Solche Formen müssen als «Laienliturgien» in der Struktur einfach und leicht wiederholbar sein. Dies hat mich veranlasst, nach einem solchen Typ zu suchen, den ich die «Kleine Tagzeitenliturge» bezeichnen möchte. Vergleichen Sie dazu den einschlägigen Artikel.

Walter Wiesli

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Wechselgebete numerisch

WECHSELGEBETE

Numerische Abfolge wie im KG

Gott, unser Vater

190

Geborgen in Gott

191.1

Vaterunser-Meditation

 Jesus Christus, unser Bruder und Herr

223

Gott in Jesus

224

Jesus Christus, Bruder aller Menschen

225

Herz Jesu

226

Brot für das Leben der Welt 

Gottes Geist in unserer Mitte

234

Komm, Schöpfer Geist

Der dreifaltig-eine Gott

244

Gott nah und doch nicht fassbar

246.3

Wir glauben an Gott

Der Advent

323

Wege bereiten

324

Gottes neue Welt

325

«Bist du es, der kommen soll?» (Johannes der Täufer)

326

«Du wirst einen Sohn gebären.» (Maria)

327

Die messianische Erwartung (O-Antiphonen)

328.4

Wachen

Die Weihnachtszeit

368

Das große Heute

369

Jesus, das Heil der Welt

370

Jesus, Licht für die Völker

371

Zum Jahresschluss

372

Taufe Jesu

Die Fastenzeit – Österliche Bußzeit

403

Umkehr – Weg zum Leben

404

Versuchung

405

Hineingenommen in das Lebensschicksal Jesu

406

Freude am Leben, das Gott uns in Fülle schenkt

407

Solidarität – Sorge füreinander

408

Erster Kreuzweg

409

Zweiter Kreuzweg

Die Osterzeit

466

Die Auferstehung Jesu und unsere Auferstehung

467

Neues Leben

468

Der Auferstandene mitten unter uns

469

Der Geist des Auferstandenen unter uns

492

Gott hat uns seinen Heiligen Geist geschenkt

493.1

Pfingstsequenz

Kirche am Ort und in weltweiter Gemeinschaft

513

Kirche als weltweite Gemeinschaft

514

Missionarischer Auftrag der Kirche

Lob, Dank und Anbetung

539

Es ist gut Gott zu loben

540

Lobgesang der drei jungen Männer

Vertrauen und Bitte

568

Gott ist treu

Verantwortung für Gottes Schöpfung

586

Gottes gute Schöpfung

587.3

Sonnengesang

Suche nach Gerechtigkeit und Frieden

603

Kein Friede ohne Gerechtigkeit

604.9

Ich glaube an Gottes Verheißung

Im Angesicht des Todes

740

Gedenkfeier für die Verstorbenen

741

Segnung der Gräger an Allerheiligen – Allerseelen

Maria

774

Maria, die Glaubende

775

«Von nun an preisen mich selig alle Geschlechter»

776

Gott erhöht die Niedrigen

777

Der Weg Marias – unser Weg

Engel

783

Engel – Boten der Liebe

Heilige

797

Gottes Spur in den Heiligen

798

Bruder Klaus, Mystiker und Politiker

799

Bruder Klaus, über seine Kraft gefordert

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