Das Cantionale ist neben den Orgelbüchern eine unverzichtbare Ergänzung zum KG. Es bietet alle Gesangselemente, die den Vorsängern und Vorsängerinnen zustehen. Dazu zählen Wesensbestandteile der Liturgie wie der Antwortpsalm, aber auch die solistische Psalmodie insgesamt. Darüber hinaus finden Chöre im Cantionale festliche Falsobordone-Psalmodie und mehrstimmige Liedsätze, die im dialogischen Wechsel mit der Gemeinde die aktive Teilnahme aller ermöglichen und die Erfahrung gemeinsamen Feierns vertiefen.
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Urheberrechte
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Es ist auch nicht zulässig, Teile aus dem KG herauszubrechen, da es gemäss Schweizerischem URG geschützt ist als «Werk zweiter Hand».
Halslose Noten
Halslose Noten im KG deuten an, dass sie nicht in ein Taktschema eingebunden sind und ihre Dauer nicht metrisch bestimmt ist. Melodien in dieser Notation verlangen ein durch den Sprechrhythmus bestimmtes Singen, d.h. die Tonlängen entsprechen ungefähr den gesprochenen Silben (Kantillation). Die musikalische Gliederung erfolgt mit den gleichen vier Phrasierungszeichen, die auch der Gregorianische Gesang verwendet. Sie haben eine gleiche sprachrhythmische Funktion bezüglich der Verbreiterung von Tönen, dem Herbeiführen von Schlüssen oder Halbschlüssen und der gegenseitigen Zuordnung von Satz- und Wortteilen.
Notationsbehelfe
Notationsbehelfe sind Zeichen in nur als Texte ausgesetzten Strophen, welche die Zuordnung von Noten auf bestimmte Silben regeln: Der Bogen unter einem einzelnen Buchstaben oder einer Silbe besagt, dass sie ausnahmsweise mit mehreren Noten zu singen sind. Im Notenbild werden diese Noten mit einem punktierten Bogen verbunden. Die Klammer unter mehreren Silben bedeutet, dass diese entweder auf dem gleichen Ton zu singen sind (vgl. Psalmodie) oder dass diese Silben unter eine einzige Melodienote zu liegen kommen, die in zwei Werte gleicher Länge aufgespalten wird.
Gemeindepsalmodie
Die Gemeindepsalmodie wird mit den 48 für den Gemeindegesang eingerichteten Psalmen zu einer bedeutenden Bereicherung des gottesdienstlichen Betens und Feierns. Sie basiert auf den acht resp. neun traditionellen mittelalterlichen Tönen, auf welche die sprachliche Aufbereitung der Psalmen eigens Rücksicht genommen hat. Die Singweise erfolgt in zwei Chorhälften oder Gruppen (angezeigt mit I und II),
kann aber auch im Wechsel zwischen einem Vorsänger oder einer Vorsängerin und einer Gruppe (Gemeinde) erfolgen. Die Psallierweise wird über dem Psalm angegeben. Jedes der neun Modelle – zu Beginn jeweils mit einer römischen Ziffer bezeichnet – ist gleich aufgebaut: Es beginnt mit einer aufsteigenden Tonfolge (Initium, fehlt im VII. Ton), verharrt dann über mehreren Silben auf gleicher Tonhöhe (Ténor), markiert mit einer einfachen Tonformel die Versmitte (Mediante, im Text mit einem Asteriscus * bezeichnet), um dann nach der Wiederaufnahme des Ténors mit einer meist fallenden Schlussformel (Finalis) zu schliessen. Das Initium wird in den Psalmen nur im ersten Vers, in den Lobgesängen (z.B. im Magnificat) zu jedem Vers gesungen. Eine längere erste Vershälfte wird mit einer Tonbeuge (Flexa) gegliedert. Im Notenbild weist
eine kleine eingeklammerte Note auf sie hin, im Text ein Schrägstrich (/) am Zeilenende. Eingeklammerte Noten können bei Bedarf entfallen. Die Unterstreichung im Text zeigt den Beginn einer Melodieformel (Mediante, Kadenz) an, eine Klammer unter Textsilben besagt, dass mehrere Silben auf dem gleichen
Ton zu singen sind. Ein längerer Gedankenstrich im Text (—) bezeichnet die Stropheneinteilung. Der Übergang von Vers I zu Vers II erfolgt pausenlos in ruhigem Fluss, während der Asteriscus eine Pause markiert, in der das Gesungene nachschwingt und der Atem sich ganz natürlich erneuert. Während die singbaren Psalmen der Einheitsübersetzung der Bibel entnommen sind, eignen sich zwölf weitere Psalmen (Nr. 638-649) besonders als Lesetexte. Ihre sprach-rhythmische Fassung begünstigt das gemeinsame Sprechen. Auch diese Psalmen werden von einem Leitvers umrahmt, der nach Möglichkeit zu singen ist. Ihre für solistischen Vortrag konzipierte Melodiefassung findet sich im Cantionale zum Kirchengesangbuch. Sie eignet sich vor als Singweise für den Antwortpsalm oder im Psalmenvortrag in Verbindung mit Gemeindeversen.
Gemeindeverse
Die Gemeindeverse sind Leitverse, die nach alter Tradition Psalmengesang zu einzelnen liturgischen Handlungen begleiten. In der Messfeier sind dies vorzugsweise die Gesänge zur Prozession beim Einzug, zur Gabenbereitung und zur Kommunion. Die angebotenen Leitverse berücksichtigen die jeweilige Kirchenjahrzeit. Grundsätzlich aber ist ihre Wahl frei. Der wichtigste Psalm der Messfeier ist der Antwortpsalm. In diesem wesentlichen Element des Wortgottesdienstes macht sich die Gemeinde das in der Lesung verkündete Wort Gottes zu eigen: Dabei antwortet sie mit dem Leitvers auf den solistisch vorgetragenen Psalm.
Sprache der Lieder
Die Sprache der Lieder wurde sorgfältig geprüft, insbesondere auch im Blick auf den Sprachwandel und das unterschiedliche Empfinden gegenüber altertümlichen Formulierungen. Die ursprüngliche Stimme der Autorinnen und Autoren wird so weit wie möglich respektiert und ihre ausgeprägte und meist bibelnahe Bildsprache nicht angetastet. Zeitgenössische Autorinnen und Autoren wurden gebeten, eine Sprache zu wählen, die sich für eine Vielfalt von Gottesbildern offen hält und niemanden ausschliesst. Damit Kinder
ihren Platz in der normalen Gottesdienstgemeinde leichter finden, wurden einige Dialektlieder aufgenommen worden. Es empfiehlt sich, diese Texte in die ortsgebundene Sprache zu übertragen.
Tempo und Grundschlag
Tempo und Grundschlag richten sich nach verschiedenen Gegebenheiten: Charakter von Text und Melodie, Grösse und Art des Raums, Anzahl der Singenden, Anlass und Absicht. Als Grundmass dient die über die Taktbezeichnung gesetzte Grundschlagangabe. Während die Taktangabe die metrische Struktur angibt, versteht sich der Grundschlag als Hinweis auf das Tempo und die Gewichtung der Schwerpunkte im Takt. Nicht selten finden sich zwei Grundschlagangaben.
Herkunftsangaben
Die Herkunftsangaben unter den Gesängen weisen auf die Verfasserschaft und Erstveröffentlichung bzw. älteste Quelle hin. Eine Jahreszahl in Klammern bedeutet, dass das Lied wahrscheinlich in diesem Jahr entstanden ist. Eine Reihe von Liedern stammt von mehreren Autoren oder aus verschiedenen Zeiten und Orten. Die Aufzählung solcher Angaben spiegelt den Weg der Überlieferung, den ein Lied durchlaufen hat.
Strophenlied
Das Strophenlied bildet den grössten Gesangsanteil. Akzente setzen das glaubensstarke Gemeinschaftslied des 16. und 17. Jahrhunderts und als grösster Anteil Gesänge aus dem 20. Jahrhundert. Neben der biblischen Verwurzelung der alten Lieder (111 Psalmlieder, Psalmzitate und Psalmparaphrasen) wird dem Lob der Schöpfung und dem Engagement für Frieden und Gerechtigkeit ein angemesser Raum gegeben. Hinweise wie V (Vorsänger, Vorsängerin) und A (alle) regen an zum dialogalen Wechsel und zum differenzierten Eingehen auf die Eigenart von Melodie und Text.