Archiv der Kategorie: Feierformen
Antwortpsalm Lesejahr B
Antwortpsalm Lesejahr A
Liturgie als Spiel
«Spielen heisst, die Zukunft vorwegzunehmen, die böse Welt der Fakten Lügen strafen. Der Sinn wird vorbereitet, das Unvorstellbare und Unglaubliche zu akzeptietren, in eine Welt einzutreten, in der andere Gesetze gelten, von allen Gewichten befreit zu werden, die ihn niederdrücken, damit er frei sei, königlich, unbehelligt und göttlich» (Hugo Rahner).
Aussensicht
Versuchen wir, an die Liturgie von aussen heranzukommen, sie rein phänomenologisch zu sehen. Dazu eignet sich ein klassisches Paradigma: Das Letzte Mahl oder das Paschamahl Jesu. Gemäss 1 Kor 11 ist die eucharistische Handlung noch mit der abendlichen Agape verbunden. Nichtchristliche Zeugnisse zeigen, dass die eucharistische Feier bereits nach 100 auf den Morgen verlegt war und dass diese Feier eine einfache Form hatte, nämlich:
Erinnerung |
– |
Danksagung |
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Denken |
– |
Danken |
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Wort |
– |
Antwort |
Stets ging es in irgendeiner Form darum, die Erinnerung an Jesus wachzuhalten, an seine Worte und Taten. Wer war er? Prophet, Lehrer, ein heiliger Narr… (wie ihn christliche Mystiker gesehen haben; vgl. H.Cox, Das Fest der Narren)
Oder nochmals anders von aussen angegangen: Man stelle sich einen Nichteingeweihten vor, wie er einen christlichen Abendmahls- oder Eucharistie-Gottesdienst erlebt:
Was geschieht? |
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Wozu all dies? |
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So kommt man (ansatzweise) von einer Phänomenologie des Feierns zu einer Theologie des Feierns.
Dramaturgie
Liturgie lässt sich von aussen beschreiben als ein dramaturgisches Wort-Antwort-Geschehen. Auf die Actio Gottes folgt die Reactio des Menschen. Allerdings durchdringen sich diese Wirklichkeiten gegenseitig. Ein klassisches Beispiel dafür ist der Antwortpsalm in der Messfeier: Die vom Wort Gottes Getroffenen antworten Gott mit dessen eigenem Wort, und andererseits ist die Antwort des Menschen immer schon geistgewirkt und geistdurchwirkt. Im Beten tritt immer schon der Geist für uns ein, «denn wir wissen nicht, worum wir in rechter Weise beten sollen» (Röm 8,26). Liturgie selber versteht sich als ein «admirabile commercium» (Ant. in der Weihnachtsoktav), einen heiligen Austausch, der allerdings nicht nur von oben nach unten erfolgt, sondern – damit dieses Geschehen überhaupt kommunizierbar wird – auf der zwischenmenschlichen Sprach- und Zeichenebene. Liturgie ereignet sich also auf einer differenzierten Interaktionsebene, die nach einer Vielfalt von Ausdrucksformen (Sprache, Musik, Bewegung) und Spielanweisungen (Rollenverteilung, Riten, Interaktionen) ruft. Die Dramaturgie dieses Wort-Antwort-Geschehens kommt dann am besten zum Tragen, wenn die dialogalen, kommunikativen und rollenspezifische Ausdruckselemente berücksichtigt werden.
Lied-Spielformen
Weil das Lied die gewichtigste musikalische Gattung unserer Kirchengesangbücher darstellt, sollen hier ein paar Hinweise folgen, wie sie das kommunikative bzw. dramaturgische Geschehen mittragen könnten.
Unsere gläubige Antwort ist «kein nur noetischer, emotionaler, moralischer oder sonstwie Reflex, sondern die durch das Wort Gottes im umfassenden Sinn in Bewegung gebrachte menschliche Existenz im Ganzen» (Herlyn, Singen unter den Zweigen S.14). Wie kann das Lied als eine «den Menschen bewegende Antwort» besser erfahren werden? Eine sehr hilfreiche Methode kann die Liedpredigt und die Liedkatechese sein. Es geht dabei um die Einführung eines neuen Liedes als Teil der gottesdienstlichen Verkündigung, die dann jeweils hinführen soll zu einer intensiveren Aneignung und Verinnerlichung des Wortes Gottes.
Beispiele
Die Liturgie lässt und liess auch eigentliche Spielformen zu. Denken wir an die Sequenzen an die entstammenden Osterspiele, Weihnachtsmysterien, Passionsspiele. Von einfachsten Bewegungen bis hin zu konkreteren Spielszenen (Bibliodrama) ist vieles. Im Liederschatz bieten sich dazu unmittelbar eigentliche Erzähllieder an, für die das KG teilweise auch bereits Personenzuweisungen angibt:
Erstanden ist der heilig Christ |
KG 438 |
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Es ist für uns eine Zeit angekommen |
KG 349 |
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Ein Kind geborn zu Betlehem |
KG 353 |
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Hört das Lied der finstern Nacht |
KG 394 |
Man kann sich eine Kindergruppe vorstellen, die eine biblische Szene zum Gesang einer andern Gruppe pantomimisch darstellt. Man kann aber auch eine Geschichte (z.B. die Passion mit KG 394) mit einem dieser Lieder durchsetzen und damit den Bildgehalt verstärken. Auf wirksame Weise lassen sich Lieder in Bewegung umzusetzen in Lied-Tänzen. Die Legitimation dazu ist uns bereits dadurch gegeben, dass manche Lieder nach Tanzmelodien geschaffen wurden, z.B. KG 678 / oder KG 447 (ehedem ein Saltarello). Spielformen können sich aus dem Text der biblischen Botschaft ergeben. Als Beispiel diene der Tanz Davids vor der Bundeslade (2 Sam 6,12-26), ein beliebtes Thema der mittelalterlichen Mystik ist «Jesus der Tanzmeister»: I dansed in the morning (Kumbaya Nr.101), deutsch: Ich tanzte am Morgen, da geborn war das All (Kumbaya Nr.103).
Walter Wiesli
Tagzeitengebet heute
- Stundengebet-Reform
- Gemeinschaftsgebet unverzichtbar
- Gebetsperspektiven der Zukunft
- Das «Kleine Tagzeitengebet»
Bekanntlich hat das religiöse Leben, insbesondere kirchlich gebundenes Leben in jüngster Zeit einen starken Wandel erfahren. Zahlreiche überlieferte Ausdrucksformen des Glaubens und Betens wurden aufgegeben. Dennoch sprechen viele Untersuchungen, die sich mit der Religiosität des Menschen der Gegenwart in unsern soziokulturellen Verhältnissen beschäftigen, von dem unverändert vorhandenen religiösen Verhalten, von religiösen Grundeinstellungen, Praktiken und Sehnsüchten, die das Leben der Menschen mehr oder weniger stark bestimmen. Ergebnisse empirischer Untersuchungen zeigen, dass ein Grossteil unserer Zeitgenossen nach wie vor betet und sich dadurch die religiöse Dimension des Menschen auch in einer scheinbar nicht religiösen Welt behauptet. Trotzdem stellen wir fest, dass im öffentlichen Bewusstsein und Verhalten heutiger Menschen kaum mehr ein Beten im Sinn der Weisung von Jesus zu erkennen ist. So stellt sich die Frage: Wie steht es um das öffentliche Gebet der Kirche?
Stundengebet-Reform
Das Vaticanum II befasste sich intensiv mit der Reform der Tagzeitenliturgie und widmet ihr ein eigenes Kapitel (IV) mit 19 Artikeln. Eine Arbeitsgruppe des «Römischen Liturgierates» arbeitete sieben Jahre lang an der Reform, die 1970 von Paul VI. approbiert werden konnte. Nach rund 40 Jahren muss man feststellen, dass über die Erneuerung der Bücher hinaus die erhoffte Erneuerung als Gebet des ganzen Volkes Gottes weithin gescheitert ist. Man blieb zu sehr dem priesterlichen Breviergebet und dem monastischen Offizium verhaftet und fand keine realistische Gottesdienstform, das Tagzeitengebet wieder zum Gebet des ganzen Volkes Gottes zu machen. Insgesamt besteht der Eindruck, dass diese differenzierte, aber doch komplizierte Gebetsordnung kaum für das Volk Gottes als Ganzes geeignet ist, – selbst wenn sie wie beispielsweise im KG überschaubar und leicht fasslich eingeführt wird (KG 258, 259).
Gemeinschaftsgebet unverzichtbar
Von Anfang an ist das Gebet ein Wesensbestandteil einer christlichen Existenz. Wenn die Kirche betet, verwirklicht sie ihr Wesen, findet sie in besonderer Weise zu sich selbst. Trotzdem ist vielerorts kaum zu spüren, dass das gemeinschaftliche Gebet eine unverzichtbare Grundlage des Daseins der Kirche ist: Gebet als der Atem des Glaubens (KG 544). Stattdessen scheint für die Pastoral die Sicherstellung der gottesdienstlichen Minimalversorgung im Vordergrund zu stehen. Wie in Dienstleistungsbetrieben wird von Bedürfnisorientierung, wie im Wirtschaftsleben von Angebot und Nachfrage gesprochen. Solche Dienstleistung und Bedürfnisorientierung braucht aber ein geistliches Fundament und müsste auf Gebet und Gottesdienst gründen. Sonst verirrt sich kirchliches Handeln bald in einer geistlichen Sackgasse. Wenn nicht, gäbe die Kirche ihren eigentlichen Auftrag auf und machte sich leicht ersetzbar.
Gebetsperspektiven der Zukunft
Die Tradition der Tagzeitenliturgie hat in sich Erneuerungspotenzen von christlichem Glauben und Beten, die durchaus weiterführen können. Folgende Aspekte wären zu prüfen:
- Es muss neben der monastischen Hochform (von Laudes, Vesper und Komplet) einfachere Formen geben.
- Gefragt ist eine Einfachheit von Inhalt und Form, die Laien ohne Mithilfe des Seelsorgepersonals machbar ist.
- Solche Formen sind einzubinden in anthropologische Vorgaben, die heilsgeschichtlich begründbar sind.
- Sie müssen der heutigen Glaubenssituation gerecht werden und die Lebenssituation der Menschen (Arbeitssituation, Rentner, Betagte, Junge usw.) berücksichtigen.
- Sie sollen dem Bedürfnis nach Meditation Rechnung tragen und der Sprachlosigkeit vieler neue Ermutigung und Impulse geben.
- Formal ist zu achten auf einen Rhythmus von Wiederholung und Wechsel, bei dem die entlastende Funktion des Ritus wirksam wird.
Das «Kleine Tagzeitengebet»
Im Tagzeitengebet – wie immer es gestaltet wird – geht es stets um dies Eine: Um den Lobpreis und die Vergegenwärtigung der österlichen Geheimnisse unserer Erlösung. So vergewissern wir uns an den Eckpunkten des Tages, dass Gott im auferstandenen Christus sein «endgültiges Ja zum Menschen und zur Welt» zugesprochen hat (D.Bonhoeffer).
Daraus ergibt sich die einfache formale Grundstruktur solcher Feiern: Vergegenwärtigung des Heils im Wort und die lobpreisende Antwort in Gebet und Bitte, – beides eingefasst in eine kurze Eröffnung und einen entsprechenden Abschluss. Das komplementäre Geschehen «göttliche Heilsinitiative» und «menschliche Antwort» lässt sich freilich nicht streng trennen.
Zwar ist dies auch der Gehalt des monastischen Stundengebets (vgl. KG 258 – 290), doch eine zu enge und steriotype Anlehnung an dieses entfaltete Modell führt leicht zu Formen, die als blosse Häufung und Aneinanderreihung verschiedener Elemente empfunden werden. Deshalb ist die Kenntnis der einzelnen Teile und deren Bezüge zum Ganzen von entscheidender Bedeutung. Nur so können die
Grundanliegen von der einfachsten bis zur festlich entfalteten Form von den Mitfeiernden verstanden werden. Im Folgenden wird versucht, die spirituelle Leitidee und den geistlichen Sinngehalt einer Tagesgebetszeit einfach und kurz darzustellen.
Vgl. Artikel: Das Kleine Tagzeitengebet
Walter Wiesli
Kleines Tagzeitengebet
Das Anliegen
Im Tagzeitengebet – wie immer es gestaltet wird – geht es stets um dies Eine: Um den Lobpreis und die Vergegenwärtigung der österlichen Geheimnisse unserer Erlösung. So vergewissern wir uns an den Eckpunkten des Tages, dass Gott im auferstandenen Christus sein «endgültiges Ja zum Menschen und zur Welt» zugesprochen hat (D.Bonhoeffer).
Daraus ergibt sich die einfache formale Grundstruktur solcher Feiern: Vergegenwärtigung des Heils im Wort und die lobpreisende Antwort in Gebet und Bitte, – beides gefasst in eine kurze Eröffnung und einen entsprechenden Abschluss. Das komplementäre Geschehen «göttliche Heilsinitiative» und «menschliche Antwort» lässt sich freilich nicht streng trennen.
Zwar ist dies auch der Gehalt des monastischen Stundengebets (vgl. KG 258 – 290), doch eine zu enge und steriotype Anlehnung an dieses entfaltete Modell führt leicht zu Formen, die als blosse Häufung und Aneinanderreihung verschiedener Elemente empfunden werden. Deshalb ist die Kenntnis der einzelnen Teile und deren Bezüge zum Ganzen von entscheidender Bedeutung. Nur so können die Grundanliegen von der einfachsten bis zur festlich entfalteten Form von den Mitfeiernden verstanden werden. Im Folgenden wird versucht, die spirituelle Leitidee und den geistlichen Sinngehalt einer Tagesgebetszeit einfach und kurz darzustellen.
Struktur
1. Bereit zum Lob (Eröffnung)
Die Sammlung und Bereitung zum Lob beginnt naturgemäss mit einer Bitte an Gott, uns Herz und Lippen zu reinigen (vgl. Jes 6.6; Röm8.26). Dann kann sich die Gruppe oder Gemeinde erst einmal «zusammensingen», innerlich und äusserlich. Gedanken und Gefühle sammeln sich für Lobpreis auf Gott.
2. Im Wort geborgen (Hauptteil a)
Die Selbstmitteilung und Heilszusage Gottes wird explizit im Wort Gottes erfahren. Es zeigt unser Leben in einem umgreifenden Sinnzusammenhang und bringt den tragenden Grund unserer Tage ans Licht. Im Lauschen auf das Wort wird Gottes unwiderrufliches Ja zum Ganzen der Geschichte wie zu jedem/jeder Einzelnen erfahrbar, spürbar. Das Ja und Amen Gottes zu uns und unserer Geschichte ist der sichere Grund, auf dem wir stehen (2 Kor 1,19f).
3. Zur Antwort gedrängt (Hauptteil b)
Diese Erfahrung drängt uns zu dankbarem Lobpreis, ̶ trotz allen Anfechtungen und Erfahrungen, die eher ein Nein nahe legen. Das Ja, das Gott in Christus zu uns und zur Welt spricht, ermutigt je neu zum Ja im konkreten Alltag, im Jetzt des „Heute Gottes“ (R.Schütz).
4. Als Gesegnete gesandt (Abschluss)
Das betende Innehalten verschafft die Gewissheit, dass wir unsere Zeit als Gesegnete und zum Segen Berufene leben. Von der gläubigen Zuversicht getragen «Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag» (KG 554, RG 353), stellen wir uns dem Anruf dieses Tages.
Das innerste Wesen solchen Betens stammt aus biblisch-jüdischem Urgrund: Das nie verstummende Lob auf die in alle Geschehnissen siegreiche Gnade Gottes, wie sie sich in der Auferweckung Christi aus dem Tod unwiderrufbar offenbart. Auch das Bitten ist von dieser Grundstimmung durchdrungen. Denn im Bitten erfährt die Gemeinde an sich selbst die heilende Macht der von ihr gepriesenen Güte Gottes.
Der Phantasie, nach diesem einfachen Modell «Kleine Tagzeitfeiern» als Fermate im Tageslauf zu gestalten, sind keine Grenzen gesetzt. Die folgende Skizzen möchten dazu anregen, in verschiedenen Situationen ein solches Innehalten zu versuchen. Im ersten Beispiel werden die Strukturelemente mit Worten benannt, später nur mehr mit Zahlen.
Beispiele für «Kleine Tagzeitfeiern»
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Einstieg in den Tag |
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Betagten feiern das Morgenlob |
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1. |
Bereit zum Lob 713.1 |
Gebet zur Sammlung |
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KG 40 Nun jauchzt dem Herren, alle Welt (oder 41) |
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2. |
Im Wort geborgen |
KG 631 Psalm 121: Der Wächter Israels (Lv singen, Psalm eventuell sprechen) |
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Kurzlesung: Röm 8.31 – 34; Stille |
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3. |
Zur Antwort gedrängt |
KG 559 Du kannst nicht tiefer fallen (singen oder sprechen) |
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KG 760 Lobgesang Mariens |
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KG 725 (S.791) Fürbitten (in der wir-Form), Vater unser |
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4. |
Als Gesegnete gesandt |
725 (S.792) Segen zur Entlassung |
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Vor dem Einkaufen |
Senioren/Seniorinnen treffen sich vor Einkaufen (Morgengebet) |
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1. |
Wir sammeln und versammeln uns: Im Namen des Vaters… |
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KG 676 Vom Aufgang der Sonne (Ka) oder Morgenlied |
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2. |
KG 615 Psalm 46: Gott unsre Burg (dazu Lv 606) |
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Kurzlesung: Gal 6,1 – 5; Stille |
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3. |
KG 746 Lobgesang Mariens |
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714.4 Ein Geschenk des Himmels (an Stelle von Fürbitten) |
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4. |
714.1 Abschliessendes Gebet |
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718.3 Aaronitischer Segen |
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Innehalten am Mittag |
Seelsorger / Seelsorgerinnen-Tagung |
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1. |
261 Herr, öffne meine Lippen |
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166 Herr Jesus Christ, dich zu uns wend |
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2. |
265 Lv Alles, was atmet, lobe den Herrn |
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265.1 Psalm 150 |
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Kurzlesung: Eph 1,3 – 6a; Stille |
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3. |
273 Antwortgesang |
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256 Canticum: 1 Petr 1, 3 – 7 |
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Fürbitten / Vater unser |
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4. |
275 Segen und Entlassung |
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Ein Frauentreffen |
1. |
179 Vater unser (mit Bewegung: vgl. M.Ott, Bewegte Botschaft) |
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2. |
186 Danket Gott, den er ist gut (nach Ps 136, wechselweise V/A) |
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Kurzlesung: Jes 43, 1f); Stille |
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3. |
191.1 Vaterunser-Meditation / (ersetzt auch die Fürbitten) |
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253 Canticum: Wo Güte ist und Liebe, da ist Gott (nach 1 Joh) |
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4. |
718.2 Segen |
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Abend / Tagesschluss |
1. |
13.1 Gebet zur Sammlung |
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683 Herr, bleibe bei uns (Ka) |
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2. |
279 Lv Meine Augen schauen dein Heil |
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287.1 Psalm 91: Zuflucht bei Gott |
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Kurzlesung: Kol 1,12 – 13; Stille |
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3. |
274 Lv Danket der Herrn |
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74.1 Magnificat (wechelweise gesprochen oder gesungen) |
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Fürbitten / Vater unser |
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(statt Fürbitten: 604.9 Ich glaube an Gottes Verheissung) |
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4. |
675 Es segne und behüte uns (Ka) |
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Im Familien- und Freundeskreis |
1. |
1. 700.5 Sammlung: Der Tag geht zu Ende |
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688 Nun trägt der Abendwind den Tag (singen oder sprechen) |
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2. |
611 Lv Der Herr ist mein Hirt |
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611.1 Psalm 23: Der Herr ist mein Hirte |
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Kurzlesung: Lk 6,36 – 38; Stille |
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3. |
760 Lobgesang Mariens (im Lied) |
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Freie Fürbitten |
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700.2 Gebet zum Tagesschluss |
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4. |
717 (S.774 oben): Segen |
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Gebet zu Nacht |
1. |
700.1 Sammlung: Tiefer als die Nacht |
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686 Bleib, o Herr, auch jetzt in der Nacht |
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2. |
279 Lv Meine Augen schauen dein Heil |
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290.1 Lobgesang des Simeon |
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3. |
700.3 Bleibe bei uns |
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700.4 Bitten |
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4. |
675 Es segne und behüte uns (Ka) |
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Totengedenken |
1. |
739 Sinngebung |
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728 Lied: Wir sind nur Gast auf Erden |
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2. |
Psalm 91 |
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Kurzlesung: 2 Kor 5,1.6 – 7.9 – 10; Stille |
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3. |
S. 890 Wechselgebet / S. 811 Fürbitten |
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4. |
S. 812 730 Werder Tod noch Leben trennen uns …(singen oder sprechen Segensbitte |
Walter Wiesli
Oster-Leitmotiv
Das musikalische Leitmotiv: Christ ist erstanden
Mit der Glaubwürdigkeit des Satzes «Der Herr ist wahrhaft erstanden» (Lk 24,34) steht und fällt der ganze christliche Glaube, denn «wenn Christus nicht erweckt worden ist, dann ist euer Glaube nutzlos und ihr seid immer noch in euren Sünden» (1 Kor 15,17). So wundert es nicht, dass das Bekenntnis «Christ ist erstanden» zum eigentlichen – auch musikalischen Leitmotiv der Osterfeier wurde.
- Christ ist erstanden (KG 462)
- Victimae paschali laudes (KG 433)
- Christus und alle, Christus und alle Welt (KG 453)
- In der Welt habt ihr Angst (KG 448)
- Das könnte den Herren der Welt ja so passen (KG 444)
- Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben (KG 311, Ka)
- Amen, Halleluja (KG 122.4)
Christ ist erstanden (KG 462)
Dieses vermutlich älteste Kirchenlied in deutscher Sprache reicht zurück ins 12.Jahrhundert. Das abschließende Kyrieleis des ursprünglich einstrophigen Liedes gab diesem Liedtyp die Bezeichnung «Leise». Zahlreiche Dokumente bestätigen eine rasche Verbreitung seit dem 13.Jahrhundert und belegen seine große Beliebtheit. Im Volk und in Klöstern, bei Tafelrunden des Adels und auf Ritterburgen wird es gesungen, in Liturgie und Osterspielen ist es nicht wegzudenken. Immer wieder bricht die Begeisterung durch, die das Lied entfacht. So beispielsweise bei Georg Wicel im Jahr 1550: «Hier jubliert die ganze Kirch mit schallender hoher Stimm und unsäglicher Freude» (Psalter ecclesiasticus) und Martin Luther vermerkt: «Alle Lieder singt man sich mit der Zeit müde, aber das «Christ ist erstanden» muss man alle Jahre wieder singen». Im 15.Jahrhundert wächst eine zweite Strophe hinzu und wird das Halleluja in die dritte eingefügt. Bereits im 14. und 15.Jahrhundert ist der Brauch belegt, die lateinische Ostersequenz «Victimae paschali laudes» mit dem vom Volk gesungenen “Christ ist erstanden” zu unterbrechen. (Dies Ausführung ist auf der KG-CD “Vielfalt der Formen” Nr.14 festgehalten). Der Ursprung des Liedes scheint denn auch in dieser Sequenz zu liegen, deren Schöpfer Wipo von Burgund (995–1050) war (vgl. nächster Abschnitt). Beide Melodien charakterisieren ein herbes, klar strukturiertes Dorisch, eine ähnliche Motivik, das Vermeiden des Leittons h, die strenge Wortgebundenheit der Melodie und die Einfachheit des Aufbaus.
Victimae paschali laudes (KG 433)
Die Ostersequenz «Victimae paschali laudes» gehört zu den fünf Sequenzen, die nach der Reform des Tridentinums noch beibehalten wurden (nebst «Dies irae, Lauda Sion, Stabat mater und Veni Sancte Spiritus»). In fast tausendjähriger Tradition verbreitet besingt sie das Ostergeheimnis in dramatischer Entfaltung und zugleich klassischer Prägnanz. Im Gegensatz zu andern Sequenzen liegt hier noch eine ursprüngliche Form vor: Kein einheitliches Versmaß, nur sibenzählend und ohne durchgängiges Reimgefüge.
Der Verfasser der Sequenz Wipo von Burgund (Kurzform für Wigbert, auch Wigbert von Solothurn genannt) dürfte um 995 im deutschsprachigen Teil Burgunds in oder bei Solothurn geboren sein. Solothurn gehörte zum Bistum Lausanne, das wiederum dem Erzbistum Besançon unterstand. Seiner hohen Bildung verdankt er viele freundschaftliche Beziehung zu den Großen seine Zeit. Als Freund das Kaisers Konrad II nahm er 1027 an dessen Kaiserkröung in Rom teil, später wirkt er als Erzieher des jungen Heinrich III. Gegen Ende seines Lebens zog er sich ins bayrisch-böhmische Grenzgebiet zurück, um dort das Leben als Eremit um 1050 zu beschließen. Seine Präsenz in dieser Region erklärt vermutlich die dortige frühe Verbreitung von «Christ ist erstanden». Der anstößige Vers 6 der nachfolgenden Übersetzung nach dem Codex Einsiedeln 366 wurde im Römischen Missale von 1570 eliminiert.
- Dem Osterlamm sollen Lobgesänge weihen die Christen.
- Das Lamm hat die Schafe erlöst.
Christus, ohne Schuld, hat die Sünder mit dem Vater versöhnt. - Tod und Leben rangen in wundersamem Zweikampf.
Der Fürst des Lebens starb, als Lebender herrscht er jetzt. - Künd uns Maria, was du unterwegs gesehen hast.
«Des auferstandenen Christus Grab hab’ ich gesehen und die Herrlichkeit des Auferstandenen - und Engel als Zeugen, das Schweißtuch und die Leinentücher. Auferstanden ist Christus, meine Hoffnung. Vorangehen wird er den Seinen nach Galiläa.»
- Glauben schenken muss man mehr Maria, der allein Wahrhaften, mehr als der Juden falscher Schar.
- Wir wissen, Christus ist wahrhaft auferstanden von den Toten. Du siegreicher König, erbarme dich unser.
Mit dem melodischen Duktus ist bereits eine klare Struktur gegeben: Die erste Doppelstrophe (Verse 2 und 3: dramatische Schilderung des Erlösungsgeschehens) benützt die oberen Register der Tonart (authentisches Dorisch), die zweite (Verse 4 und 5: osterspielähnlicher Dialog mit Maria) bewegt sich im tieferen Register (plagales Dorisch). Umrahmt werden beide Doppelstrophen von einem Aufruf zum Osterlob (Dem Osterlamm sollen Christen Lobgesänge weihen) und einem abschliessenden Osterbekenntnis (Wir wissen, Christus ist wahrhaft auferstanden).
Die Sequenz findet sich in zahlreichen Handschriften des 11. und 12.Jahrhunderts. Zu den frühesten mit Neumen (Notenschrift) versehenen Manuskripten gehören die aus Benediktinerklöstern stammenden Codices Einsiedeln 366 (12.Jh.) und Rheinau 132 (11.Jh.).
Die vom ältesten deutschsprachigen Osterlied angestimmte Osterbotschaft «Christ ist erstanden» findet ein Echo in der Musikgeschichte aller Jahrhunderte. Das KG nimmt sein Eingangsmotiv mit den Tönen «a-g-a-c-d-a» in mehreren Gesängen auf, die nachfolgend kurz vorgestellt werden:
Christus und alle, Christus und alle Welt (KG 453)
Zu einem Text von Kurt Rose (†1999) verbindet Linus David (†2004) auf originelle Weise fast intervallgetreu das Kopfmotiv des Liedes «Christ ist erstanden». Der zweizeilige Ruf eignet sich als Leitvers und lässt sich auch als Kanon ausführen. Im «Cantionale» (S.316) entfaltet er sich zur Vierstimmigkeit, wobei das überraschend eingeführte Oster-Halleluja (KG 429.1) die Führung übernimmt und einen strahlenden Dur-Schluss herbeiführt.
In der Welt habt ihr Angst (KG 448)
Völlig anders nähert sich Friedemann Gottschick (*1928) dem Ostermotiv. Monoton hämmern 15 gleiche Töne in anapästischen Rhythmen (. . –) Jesu Worte aus den Abschiedsreden «In der Welt habt ihr Angst». Die Rhythmusfolge wirkt wie ein von beklemmender Angst verkrampftes Herzpochen. Im Aufstieg zur Terz und in der Trost-Zusage löst es sich allmählich, um nach einem Terzsprung im Ostermotiv in die befreiende Botschaft einzumünden: «Ich habe die Welt überwunden» (Joh 16,33b). Die Gemeinde nimmt sie auf und bekennt: «Christ ist erstanden».
Das könnte den Herren der Welt ja so passen (KG 444)
Nach dem in der Kirchenliedgeschichte bekannten Parodieverfahren greift Peter Janssens (†1998) Motive des Osterliedes «Christ ist erstanden» zur Vertonung eines Textes des Dichterpfarrers Kurt Marti (*1921) auf. Zu Motiven des ältesten Osterliedes wird auf überraschende Weise eine politische Botschaft transportiert: Die Vertröstung auf die jenseitige Auferstehung darf nicht genügen. Der Text insinuiert, dass die «Herren der Welt» die von ihnen Unterdrückten und Geknechteten mit dem Trost auf das jenseitige Glück darniederhalten und gefügig machen. «Doch ist der Befreier vom Tod auferstanden, ist schon auferstanden und ruft uns jetzt alle zur Auferstehung auf Erden, zum Aufstand gegen die Herren, die mit dem Tod uns regieren.» Angeprangert wird jede Herrschaft, die Menschen und das Leben insgesamt unterdrückt, ausnützt und versklavt. Dem «Suchen, was droben ist» (Kol 3,1) wird als Folge der Auferstehung Jesu ein ebenso konsequentes Handel «nach unten» gegenüber gestellt. Der «Fürst des Lebens» (Ostersequenz) fordert den kompromisslosen Einsatz für das Leben. Nachdem die Melodiemotive 1 und 2 zu Beginn des Liedes ihre Signalwirkung nicht verfehlen, bleibt trotz leichter Veränderung der Motive 3, 4 und 5 die Assoziation an den Ursprung der Melodie ungeschmälert erhalten.
Ich will euch Zukunft und Hoffnung geben (KG 311, Ka)
Nochmals klingt das Ostermotiv auf in einem kurzen Kanon, den das KG in der Adventszeit platziert. Das Ostermotiv (a-g-a-c-d-a), mit der sich die jesajanische Verheissung auf Zukunft und Hoffnung hier assoziiert, gibt eine christliche Deutung, wie und wo sich alle prophetischen Hoffnungen erfüllen.
Der Komponist Arthur Eglin (*1932) nutzt hier nochmals die motivische Signalwirkung, die keiner weiteren Erklärung bedarf.
Amen, Halleluja (KG 122.4)
Im Bemühen, dem wichtigsten Amen-Ruf in der Eucharistiefeier mehr Gewicht zu geben, bietet das KG sechs mehrstimmige Amen-Vertonungen an, die sich an den Schluss der Grossen Doxologie anfügen lassen. KG 122.4 nimmt zunächst unisonisch das Ostermotiv a-g-a-c-d-a auf und führt es mit dem ersten Motiv des österlichen Halleluja (KG 429.1) in einen vierstimmigen Dur-Schluss.
Walter Wiesli
Österliche Tage
Die drei Österlichen Tage
Die drei Österlichen Tage vom Leiden, vom Tod und von der Auferstehung des Herrn sind die Mitte und der Höhepunkt der christlichen Liturgie. So deutlich wie dies in der Reform der Osternacht (1951) und der Erneuerung der Karwoche (1956) zum Ausdruck kommt, war der Stellenwert dieser Tage nicht immer. Über lange Zeit konzentrierte sich die Feier der drei Tage auf den Tod Jesu, Ostern war eigentlich nur auf den Sonntag beschränkt. Im neu gewonnenen Konzept gewinnt die Osterfeier nicht nur ihren ursprünglichen Vorrang zurück, die Feiernden erleben den Karfreitag und das Osterfest gewissermaßen als zwei Seiten einer gleichen Medaille.
Der Hohe Donnerstag (auch Gründonnerstag) ist der Einsetzung des Abendmahles gewidmet. Um die Einheit der Gemeinde in diesem einen Mahl zu verdeutlichen, findet an diesem Tag nur ein Gemeindegottesdienst statt und wird den Gläubigen nach Möglichkeit die Brot- und Kelchkommunion gereicht.
Traditionsgemäß feiert die Kirche am Karfreitag keine Eucharistie. Im Mittelpunkt der Gedächtnisfeier des Todes Jesu stehen die Passion, die Kreuzverehrung und die großen Karfreitagsfürbitten, an die sich die Kommunionspendung anschließen kann. (vgl. KG S.497). In der Leidensgeschichte nach dem Evangelisten Johannes erscheint Jesus nicht als der Unterliegende. Aus der Sicht dieses Berichts erweist sich der am Kreuz sterbende Jesus als Sieger, denn «durch den Tod hat er unsern Tod vernichtet und durch die Auferstehung das Leben neu geschaffen» (Osterpräfation).
Konsequent verkündet auch die Osternacht Jesu Tod und Auferstehung als Ganzheit. Von Anfang an als Ganznachtfeier gestaltet ist sie «die Mutter aller Vigilien» und Nachtwachen (Augustinus 4.Jh.). «In ihr erwartet die Kirche nächtlich wachend die Auferstehung des Herrn und feiert sie in heiligen Zeichen» (Grundordnung des Kirchenjahres). Dieser Zeichenhaftigkeit sollte auch die zeitliche Ansetzung der Feier entsprechen: Sie beginnt nach Anbruch der Dunkelheit und endet vor dem Morgengrauen des Sonntags. Die Grundstruktur der Feier ist noch immer jene von 1570 bzw. 1951: Lichtfeier – Wortgottesdienst – Tauffeier – Eucharistiefeier. Allerdings wurde schon öfters angemerkt, dass diese traditionelle Struktur die Grundthematik «aus dem Dunkel zum Licht, aus dem Tod zum Leben» nicht überzeugend zur Geltung binge. Es wäre wünschbar, dass dieser klassische Ablauf ergänzt würde durch alternative Modelle, z.B. durch die Abfolge: Gang durch die Heilsgeschichte (Wortgottesdienst) und erst anschließend die Lichtfeier. Das Licht der am Osterfeuer entzündeten Osterkerze erinnert fünfzig Tage lang an die wirkmächtige Gegenwart des Auferstandenen.
Der Gottesdienst am Ostersonntag sollte hinsichtlich Festlichkeit die Osternacht nicht konkurrenzieren. Es wäre sinnvoll, Elemente der Nachtfeier einfließen zu lassen: Besprengung mit dem Taufwasser der Osternacht, Entzünden der Lichter an der Osterkerze, eventuell Wiederholung des Taufbekenntnisses als österliches Glaubensbekenntnis. Es empfiehlt sich, den Ostergottesdienst mit der Vesper zu beschließen (vgl. KG S.508; 532).
Die fünfzigtägige Osterfeier
Die fünfzig Tage vom Sonntag der Auferstehung bis zum Pfingstsonntag werden als einziger Festtag gefeiert, als «der große Tag des Herrn» (Athanasius 4.Jh.). Alle sieben Sonntage sind – wie die Wochentage – vom Ostergeheimnis geprägt sind. Im Wortgottesdienst der Messfeiern werden ausschließlich Texte aus dem Neuen Testament verwendet. In der Apostelgeschichte wird beispielhaft das Zeugnis der jungen Gemeinden und deren Aufbrüche aus der Kraft des Auferstandenen vor Augen geführt. In den Evangelien bricht vor allem die Osterbotschaft des Johannes durch.
Aus der Festfeier der fünfzig Tage ragen einige Festtage besonders hervor, so etwa der vierzigste Tag, das Fest Christi Himmelfahrt. Die vorgetragenen Lesungen, die den österlichen Auftrag der jungen Gemeinden konkretisieren, verdeutlichen den engen Zusammenhang mit Ostern. An Pfingsten – jetzt im Lektionar als 8.Ostersonntag bezeichnet – findet die fünfzigtägige Feier ihren festlichen Abschluss. Die Texte der Messfeier sind nochmals durchdrungen vom Ostergedanken. Nachdrücklich betont dies der johanneische Bericht von der Geistsendung am Ostertag (Joh 20, 19-23). Pfingsten ist dir Frucht von Ostern, die Bestätigung der Auferstehung Jesu und seiner bleibenden Gegenwart in der Gemeinde. Damit hat auch Pfingstfest seinen ursprünglichen Platz im Rahmen der Osterfeier zurückerhalten: Es ist die «große Oktav», die «Erfüllung» von Ostern (Introitus, Präfation). Konsequenterweise hat das KG Lieder und Texte zum Thema «Gottes Geist in unserer Mitte» nicht beim Pfingstfest angesiedelt, sondern unter «Gemeinschaft mit Gott» (KG S.229). Damit kann dem verbreiteten Missverständnis, Pfingsten sei ein isoliertes «Heiliggeist-Fest», begegnet werden.
Walter Wiesli
Taufgedächtnis
Das Sonntägliche Taufgedächtnis kam in der Reform leider etwas zu kurz und scheint im Messbuch (MD) nur am Schluss im Anhang I auf (S.1171-1175). Es kann zu Beginn aller Sonntagsmessen (und Vorabendmessen) in allen Kirchen und Kapellen zwischen Begrüssung und Gloria bzw. Tagesgebet eingefügt werden. Der Bussakt entfällt. Der anamnetische Lobpreis über das Wasser (das Segensgebet) ist auch dann zu sprechen, wenn das Wasser bereits gesegnet wurde, weil im Vordergrund die Erinnerung steht (Berakkah). Kurz skizziert verläuft der Ritus wie folgt:
Im Chor steht ein Gefäss mit (Weih-)Wasser: In der Begrüssung gibt der Liturge oder die Liturgin eine kurze Sinndeutung. Lied zum Taufgedächtnis (KG 4, 37). Es folgt ein Segensgebet über das Wasser, deren es im MD (1974) vier zur Auswahl gibt. Dann bekreuzt sich der Priester selbst, besprengt die Altardiener und -dienerinnen sowie die Gemeinde unter Psalmengesang (Lv/Ps 607; Lv 385.6 + Ps 489.1; 385.7 + 624.1; 428.2 + 618.1), ̶ wobei er auch durch die Kirche schreiten kann.
Selbstverständlich kann die Gemeinde oder der Chor auch einen anderen Gesang zum Taufgedächtnis singen. Nach dem Besprengungsritus folgen die Christus-Prädikation (Kyrie), das Gloria (ausser in der Fastenzeit) und das Tagesgebet. Während früher die Texte mehrheitlich um Sünde und Anfechtung kreisten, ist dieser Ritus deutlich als Taufgedächtnis zu verstehen.
Im KG bekommt dieser Ritus in Text und Gesang einen besondern Stellenwert: «Das Sonntägliche Taufgedächtnis erinnert die Versammelten an die Bedeutung der Taufe für ihr Christsein und ermutigt sie, in Umkehr und Vertrauen auf Gott zu leben. In diesem Gedenken erneuert sich die heilende Kraft des Anfangs: Der in Taufe und Firmung geschenkte Heilige Geist verbindet sie von Neuem mit Christus, ihrem Herrn und Bruder. (KG S.102).
Walter Wiesli
Taufe im KG
- Die gegenwärtige Taufproblematik
- Die Erwachsenentaufe als Modell (KG 12)
- Segensfeier als Eröffnung des Weges zur Taufe (KG 15)
- Taufbewusstsein als Grundbefindlichkeit
Die gegenwärtige Taufproblematik
Aus verschiedenen Gründen wird heute die Taufe unmündiger Kinder problematisiert, denn viele werden getauft und wachsen dennoch ohne kirchliche Sozialisation auf. Der individuelle Glaubensentscheid ist mit dem Rückgang volkskirchlicher Strukturen nicht mehr sichergestellt.
Während die Teilnahme an ekklesialen Riten, besonders der Besuch der Sonntagsmesse seit der Mitte des letzten Jahrhunderts von ca. 50% bis ca. 12% zurückging, erfreuen sich die Riten an den Lebenswenden (Taufe, Hochzeit und Beerdigung) noch einer grossen Nachfrage. Viele wenig ‚praktizierende Katholiken‘ in Deutschland beantworteten den subjektiven Nutzen der Kirche positiv dahingehend, «dass man wichtige Ereignisse im Leben kirchlich feiern kann, z.B. Hochzeit, Taufe.» Die höchste Wertschätzung hat nach wie vor die Beerdigung. Allerdings verstärkt sich die Quote der Taufaufschübe. Mehr als 10% der Kinder sind bei der Taufe bereits älter als ein Jahr. Der Aufschub erfolgt kaum über das 14.Lebensjahr hinaus. Schülertaufen haben meist mit der Erstkommunion oder der Firmung zu tun.
Bezüglich des Taufverständnisses ist festzustellen, dass sich die Deutung der Taufe nicht mehr mit der kirchenoffiziellen Auffassung deckt. Sie wird als lebens- und familiengeschichtliche Wegmarke wahrgenommen. Die Taufe ist vor allem eine Familienfeier, mit der Taufe wird der Beginn des Lebensweges gefeiert. Viele Eltern und Verwandte wehren sich dagegen, die Taufe zu einem kirchlichen Pfarreianlass zu machen (Taufe im sonntäglichen Gottesdienst), weil dies die von ihnen erwartete Intimität des Anlasses stört. Eine Verbindung von Taufe und Kirche nehmen manche insofern noch in Kauf, als sie dem Kind in Zukunft nichts verbauen möchten, z.B. dass es später kirchlich getraut werden kann. Doch eine Deutung der Taufe als ekklesiales Geschehen lehnen viele ausdrücklich ab. Deshalb haben viele Bischofskonferenzen das Taufgespräch mit den Eltern als pastoral verbindlich eingeführt. Dies signalisiert eine entschiedenere Bindung der Taufe an den Glauben der Eltern. Angesichts der nur sporadischen kirchlichen Praxis der Eltern und der geringen Bedeutung einer religiösen Erziehung hat sich das Problem von Sakrament und Glauben seither trotzdem enorm verschärft.
Die Erwachsenentaufe als Modell (KG 12)
Warum die Erwachsenentaufe als Modell?
Schon 1985 stellten die Schweizer Bischöfe fest, die Weitergabe des Glaubens sei nicht mehr gesichert. Heute sehen wir diese Prognose bestätigt. Bei uns wie in andern europäischen Ländern sind Kirche und Gesellschaft nicht mehr deckungsgleich. Es ist nicht mehr mit einer Rückkehr zur „olkskirche zu rechnen. Es gibt Ballungsgebiete in Deutschland, in denen kaum noch 20% der Säuglinge getauft werden. Die Zahl der Ungetauften nimmt zu, – parallel steigt die Zahl derer, die erst als Schüler, Jugendliche oder Erwachsene getauft werden. Obwohl diese Entwicklung auch in andern Ländern von einer grossen Ungleichzeitigkeit geprägt ist, nimmt sie zu, – und so wird es vermutlich auch bei uns sein. Der Übergang von der Volkskirche in eine plurale, nachchristliche Gesellschaft verläuft zeitungleich. Doch die nicht mehr zu übersehenden Trends fordern, verschiedene Formen des Christwerdens nebeneinander gelten zu lassen.
- Ein Blick in die bisherige Entwicklung
Das Vaticanum II gab den Auftrag, den mehrstufigen Katechumenat, wie er in der frühen Kirche üblich war, zu erneuern (SC Nr.64, Missionsdekret Nr.14). Die Text im KG 12 basiert auf der Fassung «Die Feier der Eingliederung Erwachsener in die Kirche. Studienausgabe, Tier 1975» und «Erwachsene fragen nach der Taufe, München 1992». Für die Taufe von Kindern im Schulalter wurde 1986 eine eigene Studienausgabe vorgelegt. In einer Regelung der Deutschen Bischofskonferenz von 1986 heisst es: «Für erwachsene Taufbewerber muss auf Pfarreiebene oder überpfarreilich ein Katechumenat durchgeführt werden». Es gab dazu freilich noch lange keine Strukturen. Man war unsicher, weil niemand auf Erfahrungen zurückgreifen konnte. Der Einbau des Katechumenats in liturgische Feiern war kaum bekannt. So geschah die Taufvorbereitung meist privat ohne Bezug zur Gemeinde.
- Der Katechumenat
Der Katechumenat ist ein ganzheitlicher Lernprozess, der das Christwerden zum Ziel hat. Er ist in der Lebensgeschichte der Katechumenen zu sehen, die aus der Perspektive des Glaubens allmählich ihr Leben deuten und gestalten. Dieser Weg wird schrittweise in liturgische Feiern eingebettet. Diesen Weg gehen Taufbewerber und Taufbewerberinnen in der Regel nicht allein, sie brauchen dazu die Begleitung anderer. Diese Begleitung geschieht in einem gegenseitigen Lernprozess. Dabei haben die Katechumenen wie die Begleiter eine aktive Rolle. Beide bringen ihre eigene Geschichte, ihre Sprache, ihre Erfahrung und ihre Sicht der Dinge ein. Die Bekehrung von Nichtchristen wird so auch für die Begleiter zum neuen Impuls einer Vertiefung des eigenen Glaubens (Neokatechumenat).
- Begleitung im Katechumenat
Begleiter können Menschen im persönlichen Umfeld der Katechumenen sein: Ehepartner, Verlobte, Freund, Freundin, Arbeitskollegen usw. Diese Menschen sollen auch einen Bezug zur Gemeinde haben und die Katechumenen dort einführen. Es ist auch denkbar, dass bereits bestehende Gruppen die Begleitfunktion wahrnehmen: Eine Bibelgruppe, ein Katechetenkreis, ein Pfarreiteam usw. Als „Bürgen“ wirken die Begleiter dann auch in den jeweiligen liturgischen Feiern mit. Eine spezielle Bedeutung kommt den Paten zu. Sie übernehmen in der Feier der Zulassung und in der Feier der Sakramente des Christwerdens Verantwortung für die Katechumenen und begleiten diese auch künftig partnerschaftlich.
Die Leitung der Katechumenengruppe kann ein Priester oder ein Laie übernehmen. Wichtig ist, dass Vertrauen wächst und auch Fragen und Probleme Platz haben. Der Leiter oder die Leiterin ist dafür besorgt, dass der Glaube zur Sprache kommt und Erfahrungen ausgetauscht werden. Später ist dafür zu sorgen, dass dieser Glaube inhaltlich vertieft wird. Begleitende sind nicht «Glaubensvermittler», die Wissen an Unwissende weitergeben. Sie machen auf diesem Weg selber neue Erfahrungen und anerkennen dies dankbar. Es ist gut, wenn die Begleiter einem katechetischen Entwurf entlang gehen und ihre Begleitung untereinander immer wieder reflektieren.
- Struktur des Katechumenats
Die Katechumenen entdecken nach und nach das Evangelium als Grundorientierung und versuchen ihr Leben danach auszurichten. Dies ist ein langer Weg, in welchem es Unterbrechungen, Stillstand oder sogar einen Abbruch geben kann. Christwerden ist ein Wachstumsvorgang, dessen Entwicklung nicht voraussehbar ist. Verlauf und Dauer hängen stark von der Lebenssituation des einzelnen ab und werden auch durch die Begleitung und die Gemeinde unterschiedlich beeinflusst. Der Weg verläuft in drei Phasen: Aufnahme in den Katechumenat / Zulassung zur Taufe / Feier des Christwerdens, d.h. Taufe, Firmung und Eucharistie.
- Aufnahme in den Katechumenat
Ein Mensch möchte im Sinne Jesu leben und zur christlichen Gemeinde gehören. Die Motivation kann sehr unterschiedlich sein: Überzeugung, Gruppenzugehörigkeit (z.B. Erstkommunion), Ehe usw. Man wird versuchen, über die Tragfähigkeit der Motive zu reden und genügend Freiraum zu schaffen, dass Bewerber/innen wieder zurücktreten können. Im Katechumenat geschieht eine umfassende Einführung in den christlichen Glauben und eine Einübung in das Leben als Christ in der Kirche.
- Zulassung zur Taufe
In dieser Zeit der näheren Vorbereitung kann in der liturgischen Feier die Übergabe des Glaubensbekenntnisses und des Vaterunser stattfinden. Die Katechumenen werden ins Buch der Taufbewerber eingetragen.
- Christwerden
Taufe, Firmung und Eucharistie: Ziel und Höhepunkt des Katechuments ist die Besiegelung des Christwerdens in Taufe, Firmung und Eucharistie. Diese österlichen Sakramente hängen so eng zusammen, dass sie in einer einzigen Feier, normalerweise in der Osternacht, gefeiert werden. Die Neuchristen brauchen weiterhin die Begleitung der Gruppe, der Paten oder anderer Bezugspersonen in der Gemeinde; sie sollen zusammen mit andern erfahren, wie sie als Christen ihren Alltag leben und sich in Gemeinde und Gesellschaft einbringen, wie sie den Gottesdienst mitfeiern und sich in einer menschlich begrenzten Kirche zurechtfinden können .
Man kann davon ausgehen, das der noch geringe Anteil an Erwachsenentaufen (ca.1%) in den nächsten Jahren steigen wird. Dabei wird die Ungleichzeitigkeit der Taufpraxis in verschiedenen Regionen noch breiter auseinander gehen. Mit der Vorstellung der Urform der Taufe versprechen sich die Bischöfe allerdings bereits jetzt eine Vertiefung des Taufbewusstseins, vorab auch eine «Entprivati-sierung des Taufsakraments als pastorale Chance eines geschwisterlichen Weges»4 im Christwerden und Kirche-Sein.
Segensfeier als Eröffnung des Weges zur Taufe (KG 15)
In der Gemeinsamen Synode der Bundesrepublik Deutschlands (1976) stellen die Bischöfe hohe Anforderungen an das christliche Zeugnis der Eltern: «Durch ihr eigenes Verhalten, durch die Art ihrer Erziehung, durch die Erlebnisse, die sie dem Kind vermitteln, schaffen sie das Milieu, in dem der Glaube wachsen kann». Davon wird man in einer Zeit der schwindenden Lebensbedeutung unserer christlichen Gemeinden kaum mehr ausgehen können. Diese Feststellung führte analog zum Erwachsenenkatechumenat zum Bemühen um eine Begleitung von Fernstehenden durch engagierte Gemeindemitglieder, womöglich auf einem längeren Weg. Daraus ergab sich die erst 1996 von den deutschsprachigen Bischöfen approbierte «Segensfeier als Eröffnung des Weges zur Taufe« (KG 15). Von diesem gemeindekatechetischen Modell verspricht man sich eine allmähliche Vorbereitung von Eltern, die die von ihnen erwarteten Voraussetzungen für die Taufe des Kindes noch nicht haben. Das Gelingen dieses Modells wird davon abhängen, ob Eltern oder Gemeinden sich überhaupt so verbindlich einander annähern wollen. Die Bischöfe fordern einen Taufaufschub, wenn die Eltern «jedes vorbereitende Gespräch verweigern oder aus der Kirche ausgetreten sind und keine Bereitschaft zeigen, andersweitig für die Glaubenserziehung des Kindes zu sorgen».
Taufbewusstsein als Grundbefindlichkeit
Die Taufe als „ianua sacramentorum“ ist die Schlüsselerfahrung des Christen: «Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet» (Mk 16,16). Sie gilt es immer wieder zu bestärken und lebendig zu erhalten. In der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation sehen sich Menschen mehr und mehr auf sich selber gestellt. Trotz der Fülle sich anbietender Lebensmöglichkeiten befällt sie Unsicherheit und Angst, dass das Leben letztlich doch scheitern könnte. In dieser Situation erreicht sie die Verkündigung des Evangeliums: Ich bin für euch da! Es ist die Versicherung, dass das Leben glücken wird, wenn ich mich auf Gott verlasse. Die Taufe ist der sichtbare und greifbare Ausdruck dieses Anrufes Gottes. Er macht keine Vorbedingung und erwartet keine Vorleistung. Vielmehr besteht die Antwort auf diesen seinen Ruf allein in der Bereitschaft, ihm zu vertrauen, dass er mich hält, dass ich mit ihm mein Leben wagen kann.
Die Heilszusage Gottes begleitet den Menschen in immer neuen sakramentlichen Zeichen, die das leben des Menschen in den verschiedenen Phasen begleiten. Alle diese Zeichen, die den Getauften betreffen, scheinen im KG auf und verstärken und konkretisieren die Zusage des Sakraments des Anfangs. Als von Gott Gesegnete (Gal 3,9) dürfen Getaufte diese Heilszusage weitersagen (Segnungen).
Das in der Taufe begründete Vertrauen ermutigt zur Abkehr oder Umkehr (2.Kapitel) von Lebensmöglichkeiten, auf die man sich allenfalls bisher in seinem Leben verlassen hat. Eine Abkehr von der oft «unwiderstehlichen Gewalt der stummen Götzen» (1 Kor 12,2) wie Besitzstreben, Suche nach totaler Versicherung, egoistischer Machtausübung, Befriedigung augenblicklicher Bedürfnisse, Gleichgültigkeit usw. Wer sich taufen lässt, wendet sich von diesen Kräften und Mächten ab, um sich der befreienden Herrschaft Gottes anzuvertrauen, unter der ich der sein darf, der ich bin, und mich gerade so von Gott angenommen und geliebt weiss.
Wir erhalten mit der biologischen Geburt nicht schon alle Lebensmöglichkeiten. Alle erleben wir eine «soziale Geburt», in der wir befähigt werden, in der menschlichen Gesellschaft mit ganz bestimmten Norm- und Wertvorstellungen zu leben und zu überleben. Analog steht dem die «soziale Geburt» aus der Taufe gegenüber als eine Geburt aus dem letzten Grund des menschlichen Lebens (Symbol des Wassers) und dem Geist Gottes. In dem Sinn ist die Taufe das Schlüsselsakrament, ianua sacramentorum. So brauchen KG-Texte nicht zufällig 196mal das Wort «Taufe» !
Walter Wiesli