Gottesdienst im Neuen Testament

Gott ist Mensch geworden in der Person Jesu. Mit dieser Grundaussage des Neuen Testaments wird die alttestamentliche Distanz zwischen Gott und Mensch entscheidend aufgebrochen: Gott erscheint dem Nazarener Jesus nicht mehr als Gegenüber. Vielmehr ist nun in der Person Jesu von Nazareth der ferne Gott Israels in unüberbietbarer Weise gegenwärtig. Die Konsequenzen sind vielfältig: so bedarf es nun keiner heiligen Orte mehr, um Gott zu begegnen. Die Gottesbegegnung ist nicht primär ein Geschehen im Raum, sondern ein personales Geschehen zwischen Menschen, das überall stattfinden kann. Damit ändert sich das Opferverständnis. Für Jesus ist das Opfer nicht auf die kultischen Riten beschränkt, sondern ganzheitlich zu verstehen: Die Versöhnung mit Gott geschieht nur über die Versöhnung auch mit dem Nächsten. (Mt 5,23) . Der Opferbegriff wird hier entscheidend ausgeweitet.

Mit der fundamental neuen Sicht der Beziehung zwischen Gott und Mensch ändert sich schliesslich auch das Gottesbild: Gott selbst wird in sich als ein personales Beziehungsgeschehen verstanden, als einzigartige liebende Beziehung zwischen Vater und Sohn. Gott ist in der Gemeinschaft derer anwesend, die an die Botschaft Jesu glauben (Mt 18,20). Konkret bedeutet dies: Jeder Mensch gewinnt mit der Taufe Anteil an der durch Christus vermittelten göttlichen Natur und damit auch Anteil am Lehr-, Priester- und Hirtenamt Christi. Die Gemeinschaft der Christen ist der aus lebendigen Steinen gebaute neue Tempel (vgl. 1 Kor 3,16; 1 Petr 2,5).

Gottesdienst im Alten Testament

Der Gottesdienst im AT beruht vor allem auf der Glaubenserfahrung, wonach die Geschichte des Volkes Israels getragen und liebend begleitet wird durch göttliches Handeln. Nach der Befreiung Israels aus Ägypten verpflichtet sich Jahwe selbst, dem von ihm geliebten und daher auserwählten Volk Israel die Treue zu halten (vgl. Ex 19,4–6). Dieses Bundesangebot ist verbunden mit einer Rahmenordnung, der «Bundescharta», deren wesentlicher Teil die Zehn Gebote bilden (Ex 20,1–17) und durch die sich Israel zu einem Handeln im Geiste Jahwes verpflichtet. Das im Bundesschluss einzigartige Miteinander von Gott und Mensch findet sich als durchgängiges Motiv in der gesamten Bibel, vor allem in jenen Geschichten, die von der Berufung oder Erwählung eines Menschen berichten, wie etwa: die Berufung Abrahams (Gen 12,1–5), die Berufung des Propheten Jesaja (Jes 6,1–13). Gottesdienst ist nach alttestamentlichem Verständnis daher nicht primär eine Tat des Menschen, sondern im wörtlichen Sinn tatsächlich «Gottes Dienst»: Gottes Handeln am und für den Menschen. Nach dem Verständnis der alttestamentlichen Schriften besteht der «rechte» Gottesdienst darin, dass der Mensch auf Gott hört und seinen Weisungen gehorcht. Dem ist der kultische Opferbetrieb eindeutig nachgeordnet.