AB Nordiska Musikförlaget, S-Stockholm
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Syllabisch
Textvertonung, wobei über jeder Silbe nur eine Noten zu stehen kommt. Gegenteil: melismatisch.
Rollenprinzip
Das KG ist das Rollenbuch der Gemeinde. Es führt ein in den Sinngehalt der gottesdienstlichen Feiern und bietet alle gesanglichen und textlichen Elemente, die die Gemeinde benötigt. Modelle und Aufbauschemata erleichtern die sachgemässe Gestaltung unterschiedlichster Feiern und die Zuweisung der jeweiligen Rollen.
Rezitativ
Das liturgische Rezitativ eine Art Sprechgesang (auf öfters gleicher Tonhöhe) und mit gewissen Melodiewendungen zur Gliederung des Textes. Im Rezitativ hat das Wort den absoluten Vorrang. Die Musik hat hauptsächlich den Sinn, die Akzente, die Betonung und Phrasierung von Wort- und Satzbau melodisch und rhythmisch zu verdeutlichen (vgl. Interpunktiosmelismatik). Das Wort erfährt in dieser gehobenen und zugleich stilisierten «Sprechweise» eine neue Dimension. Unter Berücksichtigung der jeweiligen Texteigenheit hat die Liturgie sehr differenzierte Formen des Rezitativs entwickelt. Vgl. auch «Kantillation».
Modus / Kirchentonart
Der Modus, Tonus oder die Kirchentonart bildet das tonale Ordnungsprinzip vom frühen Mittelalter bis ins 16. Jh. Dieses theoretische System entstand erst nach der Blüte der Gregorianik (8. Jh.). Griechisch-byzantinische Einflüsse sind unverkennbar (protus, deuterus tritus, tetradus), ebenso die paarweise Einteilung authentisch (ursprünglich, z. B. dorisch auf d) und plagal (abgeleitet, eine Quart tiefer, z. B. hypodorisch auf a). Typisch und damit leicht erkennbar sind für beide der Tonumfang und die Kadenzbildung, darin die Lage des Halbtonschritts.
Melisma
Mehrere Noten über einer Textsilbe. Gegenteil: Nur eine Note über einer Silbe nennt man «syllabisch».
Interpunktionsmelismatik
Das Altertum kannte keine Satzinterpunktionen. Um den Satzbau anzudeuten, wurde er in gesungenen Texten (Orationen, Lesungen) durch Melodieformeln verdeutlicht: z. B. Der Satzschluss mit grossem fallendem Intervall, die Satzmitte mit einer Flexa (kleines Intervall), das Fragezeichen mit ansteigendem Intervall usw. Es finden sich (je nach Text, Bedeutung, Feierlichkeit) melismatische oder ganz schlichte syllabische Formeln.
Funktionalität
Die Gestalt und der Vollzug liturgischer Riten und Zeichen ergeben sich aus ihrem «Wesen» («ex rei natura» SC 28). Für Sach- oder Wesensgemässheit aus einer operativen Perspektive braucht man den Begriff «Funktionalität». So verlangt die AEM (18), dass Texte «ihrer Eigenart entsprechend» vorzutragen seien. Funktionalität ist nicht nur bezüglich des Ritus zu fordern, sondern ebenso im Blick auf die feiernde Gemeinde. Nicht selten entstehen zwischen autonom sich entfaltender Kunst und Funktionalität Spannungspotenziale. (vgl.Art. «Funktionalität»)
Doxologie
Die Doxologie (griech. δοξολογία = Lobpreis) ist ein Lobgesang zur Verherrlichung der Trinität. Man unterscheidet die Grosse Doxologie, das «Gloria der Messe», und die Kleine Doxologie, das «Ehre sei dem Vater». Eine überragende Stellung hat die Doxologie am Schluss des Hochgebets, in das letzteres gewissermassen zum Höhepunkt geführt wird. Um ihr Gewicht und die akklamatorische Bestätigung der feiernden Gemeinde zu verstärken, dienen die festlichen Amen-Rufe KG 122–122.5.
Kanon
Der Kanon (Ka), ein zunächst einstimmiges Musikstück, entfaltet sich zur Mehrstimmigkeit, wenn mehrere Gruppen in bestimmten Abständen zeitlich versetzt nacheinander einsetzen. Die kleinen Ziffern über dem Notensystem zeigen an, wo die einzusetzen haben; die Schluss-Fermaten markieren den gemeinsamen Schluss. In der Regel wird der Kanon zunächst von allen einstimmig gesungen, dann folgen die Kanoneinsätze. Es ist sinnvoll, zu Beginn die Anzahl der Durchgänge anzusagen. Kanonstimmen können durch Instrumente gestützt oder ersetzt werden. Einfache Formen (z. B. Nr. 556) lassen sich rufartig mit andern Elementen (Liedern, Psalmen, Texten) verbinden, aufwendigere Formen (z. B. Nr. 552) sind selbständige Gestaltungselemente und meist nur von Kleingruppen oder Chören zu leisten.