Die Sprache ist eine der am häufigsten zu beobachtenden Begleiterscheinungen von Religion. Die Kultsprache hat im Gegensatz zur Alltagssprache ein starkes Beharrungsvermögen, was nicht selten zur Entfremdung zwischen Gottesdienst und Alltagswelt führt. Milieustudien zeigen dies neuerdings. Am Kirchenlied, der stark dem kulturellen Wandel unterworfenen Intensivform des Sagens, lässt sich sehr deutlich das Ringen um Traditionstreue und Zeitgemässheit demonstrieren. Sprache informiert nicht nur, sondern sie schafft Realitäten, die Machtverhältnisse und kirchliches Selbstverständnis widerspiegeln. Die Kirchensprache der Riten und Gebete erweist sich für viele zusätzlich als schwierig, weil die individuellen Glaubenszugänge immer vielfältiger werden.