Katholisches Gesangbuch

Keine Liedreihen   

Vor der Liturgiereform teilte man die Messgesänge in zwei Gattungen ein: Ins Ordinarium und ins Proprium. Diese Einteilung stammt aus einer Zeit, in der man begann, gleichbleibende, ursprünglich aber nicht zueinander gehörige Gesänge zyklisch zusammenzustellen oder als Zyklen zu komponieren. Oft kombinierte man auf diese Weise Gesänge aus ganz verschiedenen Jahrhunderten (vgl. die «Missa de Angelis»). Eine Rückbesinnung auf die Funktion und den davon abhängigen wesensgemässen Vollzug führte zu einem Umdenken bzw. zur Rückkehr zu einer früheren Betrachtungsweise. Gemäss der «Allgemeinen Einführung» (Nr.17) wird die Terminologie Ordinarium/Proprium aufgegeben und ersetzt durch die funktionale Unterscheidung «selbständige Elemente» (Gloria, Antwortgesang, Ruf vor dem Evangelium, Sanctus, Akklamation, Gesang nach der Kommunion) und «Elemente, die eine Handlung begleiten» (Gesänge zur Eröffnung, Gabenbereitung, Brotbrechung und Kommunion). Die selbständigen Elemente sind Aktionsgesänge, d.h. sie erfüllen eine selbständige Funktion, die blossen Begleitgesänge sind einem liturgischen Geschehen zu- oder untergeordnet. Aufgrund dieser neuen resp. wieder entdecken Einsichten verzichtet das KG auf das Angebot von so genannten «Liedreihen» (Ordinariumsreihen und Propriumsreihen). Wie früher werden die Gesänge nach Gattungen geordnet: Nach Kyrie-, Gloria-, Sanctus-Gesängen usw. Damit entgeht man eher dem leidigen Missverständnis, mit der Kombination einer Ordinariums- und Propriums-Liedreihe sei der musikalische Bedarf einer Messfeier richtig abgedeckt. Dies führte meistens zu einer Übersättigung («Verliedung») oder bei zufälligen Kürzungen zu einer falschen Akzentsetzung. Die Rubrik «Messgesänge» bietet einen brauchbaren Raster von Aktions- oder Begleitgesängen an. Die Auswahl für Eröffnungs-, Dank- oder Sendungslieder ist allerdings viel zu eng. Dazu sollte man sich auch in anderen Kapitel wie Lob, Dank und Anbetung, Vertrauen und Bitte,  Gemeinschaft mit Gott, bei themenspezifischen Liedern oder im Kirchenjahr umsehen. Das Suchen nach geeigneten Gesängen ist zeitaufwendig, lohnt sich aber im Blick auf einen wesensgemässen Vollzug und die Durchschaubarkeit der Feier.       

Walter Wiesli   




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