Katholisches Gesangbuch

Liturgie und Rollenprinzip   

Die Liturgiefeier ist ein Handeln (SC 7) der hierarchisch geordneten Versammlung, die als ganze Handlungssubjekt ist. Dies ist eine zwangsläufige Folge der kommunikalen und dialogales Wort-Antwort-Struktur: agieren/reagieren, rufen-antworten, akklamieren u.a. Je nach Betrachtungsweise hat man dafür bereits im Altertum verschiedene Bilder verwendet: «Sacrum commercium» (heiliger Austausch zwischen Gott und dem Menschen). Neuzeitlich: Liturgie als Dramaturgie, die alle Teilnehmenden zu einem wesensgemässen Handeln einfordert; Liturgie als heiliges Spiel, wobei das Geschenkhafte, Kontaktoffene und Einfühlsame der Beteiligten im Vordergrund steht. In jeder Betrachtungsweise geht es darum, dass es keine blossen Zuschauer gibt, dass allen Teilnehmenden ihre spezifische Rolle zukommt, die sie zu übernehmen haben. In der Liturgiekonstitution hat sich dies in einem Satz niedergeschlagen, den man als das «Rollenprinzip» zu bezeichnen pflegt: «Bei den liturgischen Feiern soll jeder, sei er Liturge oder Gläubiger, in der Ausübung seiner Aufgabe nur das und all das tun, was ihm aus der Natur der Sache (ex rei natura) und gemäss den liturgischen Regeln zukommt» (SC 28). Da nun gerade die Gemeinde als Ganze das Subjekt der Feier ist, wird ihre Rolle als besonders qualifiziert und wesensgemäss (ab ipsius natura) beschrieben: Ihre Teilnahme sei «voll, bewusst und tätig und mit geistlichem Gewinn» (SC 11), und dies nicht als Zugeständnis, sondern weil das Volk Gottes dazu «als das auserwählte Geschlecht, das königliche Priestertum… kraft der Taufe berechtigt und verpflichtet ist» (SC 14).

Walter Wiesli




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