Katholisches Gesangbuch

Musik und Kommunikation   

Menschliche Kommunikation ist erfahrungsgemäss ein äusserst komplexes Geschehen, das sich in einer Vielfalt von Ausdrucksformen ausdifferenziert. Dies ist für die liturgische Ausdruckspalette ebenso gefordert. Sowohl auf der Symbolebene wie auch für die Sprache und die Musik müssen entsprechende Ausdrucksformen und Gattungen verfügbar sein. Kommunikative und dialogale Abläufe rufen nach musikalischen Alternatimspraktiken (responsoriale Formen, Rufe, Akklamationen), Psalmen verlangen die Berücksichtigung des Parallelismus der Vershälften, hymnische Gesänge (Gloria, Präfation) oder rezitativische Kantillation («Sprechgesang» für Lesungen, Einsetzungsbericht) fordern eine entsprechenden Sprachbehandlung − um nur ein paar musikalische Form- und Gattungsunterschiede anzutippen. Hier schon wird deutlich, dass das traditionelle Kirchenlied allein diesen Ansprüchen in keiner Weise genügen kann. Nur ein differenziertes Eingehen auf die jeweilige Gestalt und Funktion macht es möglich, «dass der eigentliche Sinn der einzelnen Teile [des Mess-Ordo] und ihr wechselseitiger Zusammenhang deutlicher hervortreten» (SC 50).

Walter Wiesli




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