Katholisches Gesangbuch

Gottesdienst als Wort-Antwortgeschehen   

Der christlicher Gottesdienst ist eine kommunikative Handlung. Er verdichtet sich wesentlich im Dialog, in dem Gott Menschen in seinem Wort anspricht und sie so zu glaubender Antwort befähigt. Gott teilt in seinem Wort nicht etwas von sich mit, sondern schenkt sich selbst. Umgekehrt gewinnt die glaubende Antwort der Gemeinde die Gestalt personaler Ganzhingabe, die den Lebensvollzug im «Alltag der Welt» (Röm 12.1f.) einschliesst. In der dialogischen Bestimmung der Struktur christlichen Gottesdienstes berühren sich neuere katholische Beschreibungen auffällig mit der bekannten Definition Luthers von 1544, nach der im Gottesdienst nichts anderes geschehen kann, «denn das unser lieber Herr selbs mit uns rede durch sein heiliges Wort, und wir widerumb mit jm reden durch Gebet und Lobgesang» (WA49,588, 15–18). Am nächsten steht dieser Formulierung SC 33, wo mit Blick auf den Wortgottesdienst gesagt wird: «Denn in der Liturgie spricht Gott zu seinem Volk; in ihr verkündet Christus noch immer die Frohe Botschaft. Das Volk aber antwortet mit Gesang und Gebet.»

Walter Wiesli




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