Katholisches Gesangbuch

Brotbrechung   

Das Agnus Dei

Das Agnus Dei (7.Jh.) ist ursprünglich ein Begleitgesang zum Brotbrechen; in Mailand heisst es denn auch treffend «confractorium», Brechungsgesang. Er bestand aus dem heute ersten Satz und wurde so lange gesungen, wie die Brechung dauerte. Die Friedensbitte kam erst im 10.Jahrhundert dazu und ist im Blick auf das vorausgehende Friedensgebet und den Friedensgruss eine Verdoppelung. Leider lenkt sie von der Brotbrechung ab; sie wurde wiederum auf Wunsch von Papst Paul VI beibehalten. [Bugnini, S.391].

Die Messreform versuchte, der Brotbrechung wieder vermehrt Bedeutung zu geben. Dies verdeutlicht das Messbuch mit AEM 283: Das Brotbrechen ist ein integrales Element jeder Eucharistiefeier und daher auch entsprechend zu vollziehen: Es fordert mit Nachdruck, dass dafür Brot zu nehmen ist, das «tatsächlich als Speise» zu erkennen ist und so gross sein soll, dass man es «wirklich in mehrere Teile brechen kann». Die kleinen Hostien können diesen Forderungen nicht genügen. Mit Bedauern ist festzustellen: Die vom Herrn gestiftete Handlung des Brotbrechens wurde in die Hostienbäckerei verlegt, während z.B. das Reinigen der Gefässe nach der Kommunion zum einem Ritus am Altar avancierte. In mehreren Liedern versuchte das KG dem Anliegen des Brotbrechens und Teilens Rechnung zu tragen. Beispiele KG 137, 577, vor allem KG 598 «Brich den Hungrigen dein Brot».  

Weil das Brechen in den Hintergrund rückte, schrieb man dem Gesang auch noch andere Funktionen zu: Ein Blick in die eschatologische Zukunft (das geschlachtete Lamm in der Offenbarung) oder eine Rückblende auf das Schuldbekenntnis (...erbarme dich unser), wobei vergleichbar mit dem Kyrie mehr noch der Huldigungscharakter (des geschlachteten Lammes) zu betonen wäre.  Das Agnus Dei  kann wie ehedem von der Gemeinde gesungen werden, könnte aber auch als meditativer Chorgesang vor oder während der Kommunion eingefügt werden.

                                                                                                                                 Walter Wiesli




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