Katholisches Gesangbuch

Credo   

Im Credo bekennen wir ganz persönlich unsern Glauben, den bei der Taufe die Paten oder Eltern für uns stellvertretend gesprochen haben. Ein mündiger Christ kann dieses Bekenntnis nicht mehr an andere delegieren. Im Vordergrund steht das Bekenntnis, was bedeutet, dass die sprechende oder singende Form möglich ist. Auf jeden Fall sollte die Gemeinde nicht ausgeschlossen werden. Dies schafft Probleme bei festlichen Kompositionen (z.B. Orchestermessen). Wenn man solche ‚aufführt’, muss man zumindest wissen, dass dies liturgisch betrachtet keine ideale Form ist. Man spricht vom Grossen Glaubensbekenntnis (Nizäno-konstantinopolitanische Glaubensbekenntnis KG 245) und vom Kleinen Glaubensbekenntnis (Apostolischen Glaubensbekenntnis KG 31.3). Das Grosse Glaubensbekenntnis hat im Credo III (KG 171) als spätmittelalterliche Gregorianik durch das Kyriale Simplex weiteste Verbreitung gefunden. Dem F-Dur verwandt und aus dem Dreiklang gezeugt verdankt es seine Volkstümlichkeit, die allerdings mit der frühen Gregorianik kaum mehr etwas zu tun hat. Weil moderne, fortlaufend komponierte Glaubensbekenntnisse meist musikalisch anspruchsvoll sind, singt man an deren Stelle meistens Credo-Lieder (KG 94 - 98), die als ,Kurzschnitt‘ eine tolerable, aber keine optimale Lösung darstellen. Eine gute Zwischenlösung bietet KG 94, wo die Gemeinde den Glaubenssätzen neunmal mit dem Ruf «Amen, wir glauben» zustimmt. Eine analoge Lösung bietet KG 82 für das Gloria an. Gelegentlich kann zur Vermeidung von Routine ein offeneres und einfacheres Glaubenszeugnis hilfreich sein wie KG 246.1, 246.2, 246.3, 604.7, 604.9. Das Glaubenszeugnis 604.7 wurde bekannt unter dem Namen «Vancouver-Litanei». Sie ist das Schlussbekenntnis der Sechsten Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Vancouver (Kanada) 1983. Der hier begonnene «Konziliare Prozess» (Lernweg christlicher Kirchen für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung) wurde zum Anlass, dass vermehrt die Anliegen Schöpfung, Frieden und Gerechtigkeit in moderne Glaubensbekenntnisse einfliessen.

                                                                                                                                 Walter Wiesli




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