Katholisches Gesangbuch

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KG lebenstheologisch   

Das lebenstheologische Konzept des KG

Das KG entstand im Klima enormer sozio-kultureller gesellschaftlicher Umbrüche und nachkonziliärer Aufbrüche. Der Lebensstil dieser Jahre kam zunehmend in den Sog einer säkularen und pluralen Gesellschaft mit ihren vielfältigen Sinn und Lebensdeutungen. Darin galt es ein lebenstheologisches Konzept zu entwerfen, wie die Lebensgemeinschaft mit Gott im christliches Leben sich entfalten und im Dienst in der Welt bewähren kann. Das Zweite Vatikanum bot dazu theologischen Vorgaben in «Sacrosanctum Concilium» (SC), «Lumen gentium»  (LU) und «Gaudium et spes» (GS). Dieses Dreiergespann Liturgie-Ekklesiologie-Pastoral beschreibt Wesenselemente des kirchlichen Selbstverständnisses im Feiern und Handeln auf eine Weise, wie dies in eins noch nie so überzeugend gelungen ist.

Der lebenstheologischen Ansatz geht davon aus, dass das Subjekt der Liturgie das ganze priesterliche Volk Gottes ist. Von besondern liturgischen Diensten abgesehen genügt als

Beauftragung zur Liturgiefeier die Taufe. Laien, die Wortgottesdienste, Segensfeiern oder andere Sakramentalien feiern, vollziehen demnach Liturgie. Um der notwendigen Bedeutung von Laiendiensten in der Liturgie und im Gemeindeleben insgesamt Nachdruck zu verleihen, empfiehlt das KG Beauftragungsfeiern im Rahmen des Gemeindegottesdienstes (KG 657). Erwünscht sind Laien auch in der Gottesdienstvorbereitung. Dazu helfen ihnen grundlegende Einführungen, Aufbauraster, Materialvorschläge bis zu ausformulierten Wortfeiern und Segensgottesdiensten. Diese nicht zu übersehende Fülle von Einführungselementen liess einen Kirchenleiter kritisieren, das KG sei «zu laienlastig» und würde in dieser Form in Rom «nicht durchkommen». Die Bischofskonferenz liess sich von ihrem Vorhaben nicht abbringen, wusste damals vermutlich aber noch nicht, dass fünf Jahre danach mit der fünften römischen Einführungsinstructio «Liturgiam authenticam» (2001) diese Drohung sich durchaus hätte bewahrheiten können.[1]      

Zumal das letzte Konzilsdokument Gaudium et spes hat das dritte KG-Kapitel «Als Christen leben in dieser Welt» deutlich beeinflusst: Kirche «begreift ihre Botschaft nicht mehr von ihrer eigenen Identität her, sondern wird von der eigenen Botschaft durch die Probleme der Menschheit hier und heute selbst ergriffen.» [2] Lebenstheologischer Ansatz heisst somit auch: «Christliches Leben in Gemeinschaft mit Gott» (Kap.1) konkretisiert sich in der Solidarität mit dem heutigen Menschen und allem, was ihn bewegt (GS 1 und 3). Kritische Zwischenrufe wie «wir schufen die grösste Füll’, erzeugten den lautesten Lärm und häuften den meisten Müll» (KG 578), werden nicht von allen gleichermassen geschätzt. «Erdgeruch ja, aber bitte keine Deponiegerüche!» Aus der Perspektive von Carl Friedrich von Weizäckers Mahnung «Kein Friede unter den Menschen ohne Friede mit der Natur» (KG Kanon 591) erschien auch eine realistische Benennung von Umweltproblemen als angemessen und gerechtfertigt.

Walter Wiesli



[1] Vgl. Rainer Kaczynski, Theologischer Kommentar zur Konstitution übe die heilige Liturgie, Freiburg 2004, 105-111.

[2] Hans-Joachim Sander, Die pastorale Grammatik der Lehre – ein Wille zur Macht von Gottes Heil im Zeichen der Zeit. In: G.Wassilowsk (Hg.), Zweites Vatikanum – vergessene Anstösse, gegenwärtige Fortschreibungen. Freiburg 2004, 205

 




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