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Die
Frauen am Kreuzweg
Ich bin einen Kreuzweg gegangen, als er
starb, der mir Halt gab.
Ich bin einen Kreuzweg gegangen, als er mich
verließ, den ich liebte.
Ich bin einen Kreuzweg gegangen, als ich die
Arbeit verlor, die mir wichtig war.
Wie die Frauen damals am Kreuzweg, habe ich
geweint.
Wann darf ich erkennen, dass ich dir begegnet
bin?
KG 410.1 aus Marie-Luise
Langwald, Frauen-gedanken
© Patris Verlag, Vallendar-Schönstatt 1990
Ecce
homo!
Seht, da ist der Mensch, gegeißelt,
geschlagen, mit Dornen gekrönt.
Ecce homo!
Seht, da ist der Mensch, verurteilt, verspottet,
verhöhnt.
Ecce homo!
Seht den Menschen: den Drogensüchtigen in der
Stadt,
die vergewaltigte Frau, das hungernde Kind,
den vom Krieg vertriebenen Heimatlosen, die
Todkranke im Spital.
Seht den Menschen, vom Leben verurteilt, vom
Schicksal verspottet.
Ecce homo!
Seht den Menschen: die hoffnungslose
Jugendliche,
den arbeitslosen Vater, die einsame alte Frau,
den verbitterten Arbeitskollegen, die psychisch
kranke Mutter.
Seht den Menschen, vom Leben geschlagen, vom
Schicksal gegeißelt.
Ecce homo!
Seht, da ist der Mensch, anklagend, verzeihend,
heilend:
leidender Erlöser der Welt.
KG 410.2 Barbara Walser
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