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Walter Wiesli
Manchmal kennen wir Gottes Willen
(KG 184 / RG 832)
T: Kurt Marti 1965 (Str. 1–3) Arnim
Juhre 1966 (Str. 4) / Rechte bei den Autoren
M: Felicitas Kukuck 1967 / Rechte: G. Bosse Verlag
Kassel
Bereits beim Betreten des Gottesdienstraumes
vernehmen die Teilnehmenden instrumental vorgetragene
Teile oder das ganze Lied.
Eröffnung
Manchmal kommen wir in diesem Gottesdienstraum
freudig zusammen, manchmal haben wir dazu überhaupt
keine Lust. Aber die Einsicht, dass uns in manchen
Lebenssituationen kein Mensch weiterhelfen kann und wir
uns allein fühlen, führt uns eben doch stets wieder zu
Gott. Mit Petrus möchten wir dann kleinlaut und
verlegen bekennen: "Herr, zu wem sollen wir gehen,
du hast Worte des ewigen Lebens" (Joh 6.68).
Schuldbekenntnis
In der Begegnung mit Gott spüren wir, wie sehr wir
für uns selber leben und seine Belange und die des
Mitmenschen leicht vergessen. Wir haben Grund, Gottes
Erbarmen anzurufen und zu preisen.
Gebet
Wir wollen miteinander beten:
(Gebet im Wechsel sprechen)
I Geborgen ist mein Leben in Gott. Er hält mich seinen
Händen.
II Manchmal habe ich schreckliche Angst. Ich bin ganz
allein. Wer ist, der mich tröstet?
I Geborgen ist mein Leben in Gott. Er hält mich
seinen Händen.
II Manchmal bin ich sehr traurig. Irgend etwas habe ich
falsch gemacht. Wer ist da, der mich in seinen Arm
nimmt?
I Geborgen ist mein Leben in Gott. Er hält mich
seinen Händen.
II Manchmal habe ich das Gefühl, dass mich alle nicht
leiden mögen. Wer ist da, der mich verstehen will?
I Geborgen ist mein Leben in Gott. Er hält mich
seinen Händen.
II Manchmal bin ich feige, ich habe nicht den Mut, das
Rechte zu tun. Wer hilft mir, die Feigheit zu
überwinden?
I Geborgen ist mein Leben in Gott. Er hält mich
seinen Händen.
II Manchmal habe ich sogar Angst vor dem Sterben. Ich
versuche, das mir vorzustellen. Wer ist da, der diese
Angst wegnimmt?
I Geborgen ist mein Leben in Gott. Er hält mich
seinen Händen. Er ist für mich da, weil er mich liebt.
(Kumbaya Nr. 331)
Verkündigung
- Das Manchmal – ein Lage-Wort
Fünfmal haben wir im eben vorgetragenen Gebet das
Wort "manchmal" gesprochen. Und noch öfters
kommt es in jenem Lied vor, das wir heute überdenken
möchten. In der Schule nennen wir dieses Wort ein
Adverb, ein Umstandswort. Fachleute sprechen auch von
einem "Lage-Wort", von einem Wort also, das
die Lage, die Situation eines Geschehens, einer Sache,
einer Person angibt. Das ist gut gesagt. Den Grund
dafür werden Sie gleich selber sehen. Ich lade Sie
jetzt ein, Sätze zu formulieren, die alle mit dem Wort
"manchmal" beginnen und ein Gegensatzpaar
enthalten, also etwa so: "Manchmal bin ich
glücklich, manchmal bin ich traurig". Oder:
"Manchmal bin ich mit Mitmenschen nett, manchmal
bin ich unverträglich."
(Teilnehmende oder Vertreter/innen der Liturgiegruppe
formulieren "Manchmal"-Sätze)
Sie haben es eben gehört: "Manchmal"
zeigt, wie kaum ein anderes Wort, unsere menschliche
Situation. Wir alle stehen und leben in der Mitte
zwischen "immer" und "nie", - eben
im Manchmal.
-
Wir alle kennen das Manchmal unserer
Launen und Stimmungen. Oft kennen wir dafür
kaum einen Grund.
-
Wir kennen das Manchmal unserer
Gesundheit: Oft sind wir fit, dann aus
unerfindlichen Gründen matt und schlapp.
-
Wir kennen das Manchmal unserer Ängste
und unseres Mutes, unseres Glücks und
unserer Verzweiflung.
"Manchmal" ist wie ein Spiegel, in dem wir
uns selber wiedererkennen. Versuchen wir, diesen Blick
auszuhalten, während wir die Melodie des Liedes auf uns
wirken lassen.
Musik: Ganzes Lied instrumental, die Melodiestimme
verstärkt.
Das "Manchmal" ist aber nicht einfach der
rote Faden, der unsern Alltags durchwirkt; es steht
gewichtig und mit grossem Ernst über unserm ganzen
Leben. Beides ist möglich: Dass unser Leben gelingt
oder dass es scheitert, dass wir in Gottes Gnade sind
oder sein Heil ausschlagen, dass wir Gottes Willen tun
oder selbstsüchtig ins Verderben laufen. Daran wollen
wir denken, wenn wir jetzt die erste Strophe des Liedes
anhören und dann gemeinsam singen.
Musik: 1. Str. solistisch vorgetragen, dann von allen
gesungen.
- Der Christ hält das Manchmal aus
Diese Manchmal-Situation ist nichts Schlechtes.
Entscheidend ist nur, was wir daraus machen.
-
Man kann aufgeben und resignieren: Mutlos
und enttäuscht steigt man aus dem Manchmal
aus. Man hält es mit jenen, die "es
viel leichter finden, mit den Widersprüchen
zu sterben, als mit ihnen zu leben",
wie Albert Camus sagt.
-
Man kann aus dem Manchmal gewissermassen
auch nach vorne ausflippen, indem man aufs
"Glück um jeden Preis" setzt: im
schrankenlosen Genuss, auf der Flucht in den
Rausch und in die Droge.
Und der Christ, was macht aus diesem Manchmal? Kurt
Marti, der Berner Dichterpfarrer sagt es in unserm Lied
einfach und glaubwürdig. Jede Strophe beginnt mit
"manchmal" und wiederholt das Wort in der
Versmitte. Anders gesagt: Das Manchmal wird nicht
verdrängt und wegdiskutiert. Es wird nicht
pessimistisch umgangen oder in falscher
Selbsteinschätzung überspielt. Der Christ akzeptiert
das Manchmal und hält es aus. Wir hören uns die
Melodie nochmals an und möchten uns dann in der zweiten
Strophe ebenfalls zu dieser christlichen Antwort
bekennen.
Musik: Lied instrumental, dann 2. Str. von der
Gemeinde gesungen.
Paulus nennt uns den Grund, weshalb das Manchmal
auszuhalten ist, prägnant und unvergesslich: "Wer
da meint, festzustehen, der sehe zu, dass er nicht
falle. Es hat euch noch keine Prüfung getroffen über
menschliches Ausmass hinaus. Gott hält euch die Treue.
Er lässt nicht zu, dass ihr über euer Vermögen
geprüft werdet. Er wird mit der Prüfung auch den
Ausweg für euch schaffen." (1 Kor 10,12-13)
- Das Manchmal genügt
Das also ist die frohmachende Antwort auf unsere
Manchmal-Existenz: Es gibt jemanden, der unser Manchmal
sorgfältig im Auge behält, der es verlässlich in
Händen trägt.
-
Es genügt darum dem Christen, wenn er -
wie es in der ersten Liedstrophe heisst -
nur manchmal Gottes Willen kennt, das heisst,
das, was er tun soll. Der Christ gibt nicht
auf, wenn er immer wieder entdecken muss,
wie er seinen Egoismus mit gottgewollter
Freiheit verwechselt.
-
Weil Gott die Treue hält, kann es dem
Christen auch genügen, dass er - wir singen
es in der zweiten Strophe - nur manchmal
Gottes Zukunft sieht, also das, worauf er
hoffen darf. Er verzweifelt nicht, wenn er
statt des kommenden Reiches Gottes nur
wachsende Korruption und Friedlosigkeit
erlebt, wenn er statt des Paradieses auf
Erden eine ausgebeutete Natur vor sich
sieht.
Auf den ersten Blick empfinden Sie die ersten beiden
Liedstrophen vielleicht als harmlos und unverbindlich.
Geht man ihnen auf den Grund, so stellen sie eine ganz
entscheidende Frage, nämlich: Trauen wir wirklich
Gottes Treue? Es ist gut, wenn wir uns darüber in einem
Augenblick der Stille Rechenschaft geben. (Stille) Als
gegenseitige Ermutigung singen wir jetzt noch die
letzten beiden Strophen zu:
Musik: Alle singen gemeinsam die dritte und vierte
Liedstrophe.
Nochmals nennt uns der Korintherbrief den Grund,
weshalb der Christ auch diese Formen des Manchmal
aushalten kann:
-
Weil Gott keine übermässige Prüfung
zulässt, kann es genügen, nur manchmal
Gottes Liebe zu spüren. Es kann auch
genügen, nur manchmal Gottes Liebe durch
Mitmenschen zu erfahren oder eben diese
Liebe an andere weitergeben zu können.
-
Und schliesslich zur letzten Strophe: Im
manchmal seines Friedens und Unfriedens darf
der Christ darauf vertrauen, dass Gott die
Zusage seines Friedens nicht rückgängig
machen wird. Es kann deshalb genügen, wenn
durch unser Bemühen erst zeichenhaft
deutlich wird, was Gottes Reich endgültig
herbeiführt.
Musik: Improvisation über das Lied
Fürbitten
Die Fürbitten können von der Gemeinde frei formuliert
werden, etwa folgendermassen:
Man nennt eine konkrete Erfahrung: Manchmal ...
Es schliesst die Bitte an: Gib uns die Einsicht, dass
...
Fürbittruf
Gebet oder Vaterunser / Unser Vater
Gott, du hältst uns die Treue. Lass uns das
Manchmal unseres Lebens aushalten und als Prüfung und
Chance erkennen bis du uns heim rufst in dein ewiges
Immer. Amen
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