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Die
Weihnachtszeit (KG 329)
Walter Wiesli
In zwei großen Festen
bezeugen wir unsern Glauben an die Menschwerdung Gottes in
Jesus Christus. Als ersten Termin hat die römische Kirche
im vierten Jahrhundert dazu den 25.Dezember gewählt, den
heidnischen Festtag des unbesiegbaren Sonnengottes. Sie
feiert damit Christus als die wahre Sonne, als das Licht,
das der Welt in seiner Geburt aufscheint. Auch der Tod
vermag dieses Licht nicht zu verdunkeln, und es wird
vollends durchbrechen am Ende der Tage. Die Kirche des
Ostens hat den 6. Januar bevorzugt. An diesem Tag feiern
wir die Erscheinung (Epiphanie) des Herrn, das Kommen
dessen, dem in dieser Welt alle Macht gegeben ist. Sie
geschieht im Offenbarwerden vor den Völkern, für die
stellvertretend die Weisen dem Neugeborenen huldigen, wie
auch in der Stimme Gottes bei der Taufe Jesu im Jordan und
im ersten Wunderzeichen in Kana. Das weihnachtliche
Grundgeheimnis wird weitergeführt am Fest der Heiligen
Familie (Sonntag nach Weihnachten), am achten Tag nach
Weihnachten (Neujahr), an dem der Muttergottes gedacht
wird, und am Sonntag nach Epiphanie mit dem Evangelium der
Taufe Jesu.
Die Familienfeier am Heiligen Abend wird von vielen in
eine häusliche Liturgie eingebettet. Vor oder nach dem
Weihnachtsgottesdienst versammelt sich die Familie daheim
vor der Krippe, die das Geschehen der Heiligen Nacht
darstellt. Dort liest der Vater oder die Mutter das
Evangelium von der Geburt des Herrn. Auf dem Hintergrund
dieser Geschichte empfinden wir unser liebgewordenes
Brauchtum viel dichter: den Christbaum, der uns an den
Baum des Lebens erinnert und an Christus, das Licht der
Welt. Der Reichtum unserer Weihnachtslieder lässt uns den
Grund unseres Feierns und Schenkens besser spüren: Gott
schenkt uns seinen eigenen Sohn.
Nach altem christlichem Brauch werden an Epiphanie (Dreikönig)
die Wohnungen gesegnet. Zum Zeichen dafür, dass unsere
alltäglichen Lebensräume an Gottes Heilswirken Anteil
haben, soll diese Segensfeier von den Eltern zusammen mit
der ganzen Familie gehalten werden. In diesem Brauchtum,
das über unseren Ein- und Ausgängen für das ganze Jahr
ein sichtbares Zeichen hinterlässt, wird das Geschehen
von Weihnachten nochmals konkret greifbar. Mancherorts
gehen in diesen Tagen die Sternsinger um. Sie erinnern an
den Aufbruch der Heiden zu Christus und führen mit ihrer
Gabensammlung für die Weltmission unser Denken über die
weihnachtliche Stube hinaus.
Was Weihnachten meint
Walter Wiesli
Kein christliches Fest ist in seinem Umfeld so vielfältig
vernetzt mit dem Brauchtum, mit Kommerz Erinnerungen,
Erwartungen und Sehnsüchten. Und keines bietet sich so
leicht dazu an, es seiner religiösen Wurzel zu entblößen.
Denn mit Stichworten wie Nacht, Kind, Geburt,
Menschwerdung, und etwas Stimmung und humanitärem Gerede
lassen sich unschwer Gefühle mobilisieren. Viele haben
dies durchschaut und wehren sich deshalb zusehends mehr,
mit frommen Sprüchen die erbärmliche Wirklichkeit allenthalben
in der Welt zu überdecken. Nach dem stimmungsvoll
inszenierten Fest geht ja dann bekanntlich alles weiter
wie bisher. Dies allerdings ist für Christen kein Grund,
trotzig wegzuschauen und zu versuchen, der Banalität
einer verbürgerlichten Weihnacht zu entkommen. Das
Gegenteil wäre möglich: Wir besinnen uns neu auf das
Eigentliche dieses Festes. Es lässt sich nur mit
anspruchsvollen gläubigen Worten sagen. Wem der Glaube
fehlt, dem bleibt der Zugang versperrt. Nämlich, dass
Gott aus seiner Hoheit und Unzugänglichkeit heraustritt
und zu uns kommt. Unscheinbar und unspektakulär tritt er
in die Hütte unseres irdischen Daseins, ganz einer wie
wir. Er fängt an wie alle: arm, gefährdet, kindlich,
wehrlos. Er mischt sich in Reih und Glied, geht unsern
Weg, kostet unsere Freude und erleidet unser Elend, er
lebt unser Leben und stirbt unsern Tod. Im Teilen unsres
Loses werden wir erlöst. Zu schön um wahr zu sein, sagen
die einen, oder zu ungewohnt oder bedrohlich, dass uns
Gott so nah ist, sagen andere. Es bleibt dabei:
Weihnachten ist die Zumutung, sich dem Geheimnis
anzuvertrauen, das Gott ist und bleibt. Viele wagen es,
auch Menschen, die Gott nicht kennen oder nennen. Sie
haben verstanden, was Weihnachten meint.
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